Klimahaus Bremerhaven und Klimaretter Windenergie

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  1. Oktober 2018, 17.33 Uhr, Blick auf die Unterweser 

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Ich liebe das platte Land im Norden. Es ist ein Ort wo man draußen in der Natur ist. Man lebt einfacher, auf weniger Platz, draußen mit Wasser, Wind, Sand und Natur. Und doch ist man nicht weit von der Zivilisation weg. In 20 Minuten in Bremerhaven, in 30 Minuten in Bremen. Es gibt viele solche Orte in Deutschland. Das Leben ist günstig, und man hat Platz. Dass trotzdem immer weniger Menschen auf dem Land leben zeigt, wie gut es uns geht. Denn statt zu fahren ist es noch bequemer gleich in der Stadt zu wohnen. Und wie die Ticketverkäuferin im „Klimahaus“ in Bremerhaven meinte: „In Berlin kann man viel besser shoppen“.

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Das Klimahaus ist erstaunlich. Einmal die ganze Welt simuliert, eine Auswahl an Ländern, alle auf dem 8 Längengrad gelegen, eine Reise Richtung Süden zum Südpol und dann wieder über den Nordpol nach Hause. Mit Stopps in der Schweiz, Sardinien, Niger, Kamerun, der Neumayer-Station auf der Antarktis, auf der Südseeinsel Samoa, in Alaska bei den Eskimos und auf einer Nordsee-Hallig. Wie ein großer Wal ist sie elegant geschwungen, mit Glas verkleidet und simuliert hautnah Hitze und Kälte, Natur, Klima, hat Tiere und Fische und zeigt viel von den Menschen, die dort leben.

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Wir können diese Reise für 36 Euro für die ganze Familie mit unseren 4 Kindern antreten. Es funktioniert gut, das Modell der Public Private Partnership. Mit öffentlichen Geldern gebaut, wird sie von einer privaten Firma betrieben. Die etwa innovativ rabattierte Tickets über Coupon-Webseiten wie Groupon anbietet. Dort fand ich das Angebot, statt über 50 Euro nur 36 Euro. Und am Ende gab es noch die Sonderaustellung über Windparks in der Nordsee, inclusive eines simulierten Hubschrauberflugs. Der war so echt in einem ausrangierten Hubschrauber, dass Tara lange Zeit davon überzeugt war dass wir wirklich fliegen. Gesponsort von Senvion, ehemals RePower, einer Windenergiefirma.

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Ich kenne die Berichte vom echten Flug mit dem Hubschrauber hinaus auf die Landeplattform mitten im Meer, von dort das Übersetzen mit dem Boot zu den gewaltigen Türmen. Dort draußen weht fast immer Wind, 50 Km von der Nordseeküste entfernt sieht man am Ufer nichts davon, dass hier draußen die Zukunft der Energieerzeugung gebaut wird. 16 GW sind derzeit geplant. Vermutlich wird es mehr. Und das ist wichtig. Denn sie erzeugen an 363 Tagen im Jahr Strom, denn dort draußen weht es fast immer. Und wir brauchen den umweltfreundlichen Strom dringend.

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Unverständlich deshalb, warum die Bundesregierung die bisherigen Planungen von bisher 25 auf 15 GW Leistung für das Jahr 2030 reduziert hat. Bisher sind 5 GW (Gigawatt, 1000 Megawatt) installiert, weitere 7 GW sind in Planung oder Bau. Aber das genügt nicht. In Deutschland sind 185 GW Kraftwerksleistung installiert. Da allein Braunkohle, Steinkohle und Gas je über 20 GW ausmachen, brauchen wir die Leistung auf dem Meer dringend, um die Energiewende zu realisieren.

Windzubau-Deutschland

Und: Wenn wir wirklich auch den Verkehr auf Strom umstellen wollen, brauchen wir zusätzliche Kapazitäten. Die vorhanden sind. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts IWES zeigt allein 57 GW auf, die auf der Nordsee unter wirtschaftlichen Bedingungen errichtet werden können.

Und wie immer: Die Stückzahl macht es aus. Je mehr wir auf Windkraft auf dem Meer setzen, desto günstiger wird die Produktion werden. Desto größer werden die Anlagen werden, und mit jeder Generation noch leistungsfähiger. Und es wird im Norden Deutschlands damit neue Arbeitsplätze geschaffen, zukunftsfähige Arbeitsplätze.

Wie kann es sein, dass wir weiter wegen 20.000 Arbeitsplätzen in der Braunkohleverstromung auf diese Energie von gestern setzen – in einer Technik, die sowieso aussterben wird? Wer klug ist denkt vor und investiert jetzt massiv in die Zukunft. Auf die lange Sicht werden so die Arbeitsplätze geschaffen, die wir in der Zukunft brauchen.

Wie wir es bei den Solarzellen gesehen haben, mit der Anschubfinanzierung aus dem deutschen Einspeisungsgesetz fiel der Preis in bisher nicht vorstellbare Bereiche. Jetzt kosten Wind aus Sonne und Strom weniger als aus Gas oder Kohle. Einzig ist es derzeit noch günstiger, alte Anlagen weiter zu betreiben, wie Kohle und Gas. Auch wenn sie die Umwelt weiter mit Kohlendioxid belasten. Beim Wind ist Deutschland aber in einer noch günstigeren Ausgangslage. Wir sollten diesen Vorteil nicht verspielen. Denn überall auf der Welt gibt es Küsten, und die ganze Welt braucht umweltfreundlichen und günstigen Strom.

Auch hier gilt wieder aus meiner Sicht: Wir denken zu klein, zu wenig ambitioniert. Es mangelt vor allem derzeit an den Leitungen auf dem Land, um den Strom vom Meer auch tatsächlich nach Süddeutschland zu transportieren. Hier muss mehr geschehen, dringend.

Deswegen stört es mich auch nicht, das direkt vor uns, in Brake in den letzten Jahren ein neuer Hafenabschnitt entstanden ist und vor uns nun neben Wasser auch „Industrieromantik“ zu sehen ist, Kräne und nachts bunte Lichter. Denn dort werden die Flügel und Masten der Windkraftanlagen für die Nordsee verladen. Ich sehe diese Kräne als ein Zeichen für die richtige Entwicklung und freue mich, wie über die in jeder Richtung immer mehr zu sehenden Flügel der Windräder.

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Für unsere Kinder war es spannend, nach der echten Weltreise hier einmal in 3 Stunden die Welt in einem Museum umrunden zu können. Auch hier zeigt sich wieder der Fortschritt. War Bremerhaven nach dem Rückgang des Schiffsbaus lange Jahre ein wenig attraktiver Ort, ist dort mit einer Reihe von Museen (Deutsches Auswanderhaus, einem Zoo, dem „Klimahaus“) und einem auf Tourismus und Yachten ausgerichteten Hafen, vielen neuen Häuser am Wasser zu einem interessanten Ausflugsziel geworden.  Und es gibt viel zu entdecken in diesem Museum, wir waren schon das zweite Mal da und werden wiederkommen.

 

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