Samstag, 13. Oktober 2018, 15.21 Uhr, in Mitte auf dem Spielplatz an der Burgstraße im Heinrich-Zille-Park

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Was für ein Traumwetter. Ich kann mich nicht an einen so warmen Herbst erinnern. Es ist so heiß dass man mit dem kurzärmligen T-Shirt Schatten suchen muss. Und wie schön Berlin ist: Nie hätte ich mir vorstellen können dass Mitte einmal so aussieht. Ich wohnte hier in den 90er Jahren, es war an vielen Enden einfach total grau und heruntergekommen. Die Höfe waren triste und zerfallen. Die Straßen armselig. Es gab dazwischen ein paar coole Kneipen und Clubs. Und viel morbiden Verfall.

Ich hole mir einen Kaffee in einem echt Berliner Allround-Laden. Kaffee mit Milch gibt es da. Groß oder klein. Man stellt mir die H-Milch neben den Filterkaffee. Der große Kaffee kostet 1,50 Euro. Das ist Berlin.  Draußen vor der Tür laufen zwei junge Frauen vorbei, vielleicht gerade 20 Jahre. „Ich habe mir bei Amazon Hermann Hesse: „Steppenwolf“ bestellt. Hast Du das auch mal in der Schule gelesen? Es handelt vom Zwiespalt zwischen….“ sagt die eine Frau zu ihrer Freundin.  Backstein-Lofts für Gewerbe werden von Design-Neubauten unterbrochen. Dazwischen DDR-Plattenbauten, die Schule. Ein Café ist szeniger als das andere.  Eine Welt der Schönheit. Renovierte Stadtviertel,  in der die jungen Leute wieder Hesse lesen. Oder immer noch Hesse lesen.

Velis spielt derweil Fußball bei Viktoria Mitte auf einem Hartplatz an der Schule in der Burgstraße. Wir sind mit dem Fahrrad hergefahren, Morpheus und Tara im Anhänger. Alte, bekannte Strecken über die Fehrbelliner Straße und den Volkspark am Weinberg. Ich habe in den neunziger Jahren mal hier um die Ecke gewohnt, 10115 Berlin. Es war meine erste Wohnung im Osten. Kohleofen. Keine Dusche. Warmwasser nur aus dem 5-Liter Boiler in der Küche. Ich habe mich damals daran gewöhnt, mich am Waschbecken zu waschen. Und ich war immer glücklich über die niedrige Miete. 200 Mark. Aber es war auch eine Wohnung auf Zeit, das Haus wurde irgendwann abgerissen um Platz zu machen für einen Neubau.

Ich war der letzte Mieter im Haus und blieb so lange ich konnte. Eines Tages kam der Borhammer durch die Wand, ich saß direkt darunter auf dem Bett als der Bohrer über mir durchschlug. Häufig brannte der Müllcontainer im Hof vor dem Fenster.  Irgendwann war ich so weit und zog aus und weiter in den Prenzlauer Berg. Merkt man daran, dass man älter geworden ist dass man immer denkt: früher hat das alles ganz anders ausgesehen?

Ein blondes Mädchen im Vorschul-Alter balanciert über eine schön aus alten Ziegeln gestaltete Ruinen-Wand zum Klettern. Die Ruinen von früher sind jetzt auf den Spielplätzen wunderschön nachgebaut. Die Mutter lässt das Kind frei balancieren, obwohl es 1,5 Meter herunter geht. Die Spielplätze sind abenteuerlicher geworden, die Bauaufsicht und die Eltern trauen den Kindern mehr zu als früher.

Die Mutter spricht Englisch, eine weitere Frau Chinesisch. Vorher hörte ich Französisch. Wir sind in der Mitte Berlins, der Hauptstadt einer der reichsten Länder der Welt. Es ist Herbst, ein strahlender Herbst. Ich kann mich nicht an solch einen lange Sonnenzeit erinnern. Seit wir wieder in Deutschland sind scheint fast unaufhörlich die Sonne. Es ist ein endloser Sommer, so kommt es mir vor. 23 Grad um 16.00 Uhr Mitte Oktober.

Es ist viel los in Berlin. Die Stadt zieht Menschen aus aller Welt an, das sieht man auch. Ich finde das eine wunderbare Entwicklung. Die Studien zeigen – Gründungen finden überdurchschnittlich häufig von Menschen statt, die nicht in ihrer Heimat leben.

Der junge Israeli, der in unserer Wohnung gewohnt hat öffnet mir die Augen: Er hat in Paris, Singapur und London studiert. Sein Freund hat eine Enfield in Anjuna, in Goa stehen. So klein ist die Welt. Doch sie sind in Berlin um junge Firmen zu finden. Tel Aviv, das ist die Startup-Hauptstadt der Welt. Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele Gründungen pro Kopf wie in Israel. Aber das Leben ist extrem teuer dort. Wohnungen sind unbezahlbar. Hier in Berlin ist vieles noch am Anfang, aus ihrer Perspektive. Und so suchen sie junge Startups, die groß herauskommen werden. Und sprechen mit Investoren aus aller Welt, die auch in Berlin Firmen investieren wollen.

Gründungen sind ein schwieriges Geschäft. 9 von 10 scheitern. Doch ein paar setzen sich durch. Wie ein Baum viele Früchte tragen muss, von denen nur ein paar es zu einem großen Baum schaffen, so ist das in der Wirtschaft vollkommen normal. Doch die hartnäckigen Gründer versuchen es weiter, bis es klappt.

In unserem Haus leben drei erfolgreiche Gründer. Das inspiriert. Ich treffe mich mit einem zum Mittagessen und wir überlegen gemeinsam, was „the next big thing“ sein könnte. Für Lysander, den ich heute morgen zum Sportplatz in Weißensee mit dem Fahrrad begleite sind die „Frechen Freunde“ von „Erdbaer“ der erstaunlichste Erfolg. Als Lysander und Velis noch  klein waren bekamen wir viele Packungen an Quetschmus zum Probieren, und Nadine wurde als Vielfachmama interviewt. Jetzt findet man sie in jedem Laden.

„Berlin denkt noch viel zu klein“ sagen die erfolgreichen Gründer, die bereits ihre Firma in Berlin großgezogen haben.  Für den Ethereum-Mitgründer Joseph Lubin, einem Kanadier der in New York lebt ist Berlin die wichtigste Stadt im Blockchain-Kosmos. „Berlin hat die Infrastruktur, Berlin hat die Talente, die wirklich guten Programmierer sind hier“, wird er in der Süddeutschen Zeitung zitiert.

Und auch das Weltwirtschaftsforum WEF attestiert Deutschland jetzt einen Spitzenplatz für seine Wettbewerbsfähigkeit, auf Platz 3 nach den USA und Singapur. In Innovationsfähigkeit liegen wir sogar im Globalen Wettbewerbsbericht 2018 auf Platz 1. Das sind gute Aussichten.

 

 

Montag, 15. Oktober 2018, 10.40 Uhr

Woher habe ich meinen Optimismus, dass das Bewusstsein des Menschen sich weiter entwickeln kann? Ich bin von der Idee fasziniert, dass es „Tricks“, „Abkürzungen“ gibt, die schwere Dinge leicht machen. Die Welt ist davon geprägt. Im Bereich der Software nennt man sie „Hacks“. Ein „hack“ ist ein Trick, ein System auszulisten. Oder in eine Software einzudringen und über sie zu bestimmen.

Und es gibt den neuen Begriff der „life hacks“. Die meinen das, was ich vor allem suche. Praktische Tricks, die einen Unterschied machen.

 

Hier ein Beispiel.

Ich verwende das System der 7 Bereiche. Das hilft mir um den Tag zu gestalten. Ich fange an mit Bereich

  1. Selbstbewusstsein und Lebensfreude.

Bevor ich also mit der Arbeit anfange und Dinge erledige, stelle ich mir die Frage: Was würde mein Selbstbewusstsein und meine Lebensfreude am meisten unterstützen? Die Antwort lautet bei mir: Morgens erst einmal Laufen gehen, eine Stunde. Durch den Park und den herrlichen Herbstmorgen. Und dabei höre ich die Blinks, die Hacks für Bücher: Ein ganzes Buch in 15 Minuten. So bin ich schon in einer Stunde über vier aktuelle Trends informiert. Und fühle mich inspiriert. Das Laufen ist unterschiedlich anstrengend, loszulaufen habe ich meist keine Lust. Aber danach ist es immer gut. Ich habe noch kein einziges Mal erlebt, dass ich mich nach dem Laufen und Duschen – am Ende kalt abduschen –  nicht selbstbewusster und mit mehr Lebensfreude gefühlt habe.

Kommt Bereich 2. Familie und Freunde. Wo kann ich heute am meisten bei meiner Familie und meinen Freunden bewirken? Es ist klar. Es ist eine anstrengende Zeit, die Kinder schreiben mehrere Klassenarbeiten, sind noch nicht genug vorbereitet. Ich werde mir heute Zeit nehmen, um wirklich dabei zu sein und sie zu unterstützen. Auch wenn es mich anstrengt und fordert, so weiß ich,  dass es nutzt. Genauso wichtig: Meiner Frau zuhören. Wo sie sich gerade befindet.

Dann Bereich 3. Ordnung, Planung und Verbesserung. Was kann ich heute tun, um mich besser zu organisieren? Der wesentliche Schritt ist es mir einen Plan und eine To-Do-Liste zu machen und zu schauen, was ich diese Woche auf jeden Fall erledigt haben will.  Und auch dieses Tagebuch hier zu schreiben, das Journal.

Bereich 4: Leben, Wohnen, Dinge, Geld.  Wo gilt es „auszumisten“? Wo gilt es zu investieren? Was muss aufgeräumt werden?

Bereich 5. Die Arbeit und Karriere. Was will ich heute lesen und lernen? Wo kann ich am meisten Wert schaffen? Was unterstützt meine Entwicklung am meisten?

Bereich 6. Erholung, Sport, Urlaub: Welche Termine sind zu planen? Was ist mit dem nächsten Lauf, wann melde ich mich an? Was will ich die nächsten Wochenenden gerne machen, was gibt es zu planen?
Bereich 7: Wachstum: Welches gute Buch will ich lesen? Wie sieht es mit Meditation aus, mit einer spirituellen Praxis?

Das waren jetzt 10 Minuten. Jetzt kann ich weiter machen. Es hilft enorm. Auch diese 10 Minuten schreiben sind wieder ein „Hack“, ein „Trick“, eine „Abkürzung“. Und davon gibt es viele. Ich werde davon berichten.

One Reply to “Aufbruchsstimmung”

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