Was wissen wir über die Welt? Hans Rosling, ein schwedischer Mediziner und Mitgründer der Ärzte ohne Grenzen hat sich diese Frage gestellt und eine Reihe einfacher Fragen entworfen. Wie ist die Lebenserwartung auf der Welt? 50, 60 oder 70 Jahre?

Kaum einer kommt auf die richtige Antwort von 70 Jahren. Wie hat sich die Armut in den letzten 20 Jahren weltweit entwickelt? Niemand glaubt, dass sie sich halbiert hat.

Dieses Unwissen ist global verbreitet, und es betrifft alle gleich. Auch Experten wissen wesentliche Fakten der Welt nicht besser. Sie sind nur mehr davon überzeugt, recht zu haben.

Woher komm das? Zum einen, weil wir irgendwann mal etwas gelernt haben, etwa in der Schule. Das mag damals schon falsch gewesen sein, aber es war das Wissen des Lehrers. Wir glauben es heute noch.

Zum anderen hören wir täglich negative Nachrichten. Sie prägen unser Bild der Wirklichkeit. Die erstaunliche Diskrepanz ist dann immer – fährt man heraus in die Welt und schaut sie sich wirklich an, ist sie anders als vorgestellt. Und selten so dramatisch wie wir es uns ausmalen.

Rosberg hat mit dem Gapminder Institut (www.gapminder.org) den Versuch gestartet, wesentliches Wissen grafisch aufzuarbeiten und so darzustellen, dass es verständlich ist. Es ist eine erhellende Seite. Eine wichtige Seite. Denn wir erleben es derzeit wieder: wenige trauen sich noch dem „Zeitgeist“ zu widersprechen, der immer neue Variationen des Bedrohlichen schildert. Ein einfacher Test mit 14 Fragen lässt einen selbst überraschen. Ich habe ihn nicht bestanden.

Die Gewalt nimmt zu, die Armut verschärft sich. Das gesellschaftliche Klima wird rauer. Die Erde steht vor dem Kollaps, das unbegrenzte Wachstum droht die Lebensgrundlage zu vernichten. Die Uhr steht auf 5 vor 12. Die Ursache ist die Gier des Menschen, der Kapitalismus, die Überbevölkerung, der Verlust des Kontakts zur Natur. Die schönen Orte der Welt werden gentrifiziert, wir werden immer mehr überwacht, manipuliert, unsere Freiheiten sind in Gefahr. Am Horizont drohen Kriege, Umweltkatastrophen, Millionen Menschen auf der Flucht werden die reichen Länder überrollen. Wirklich?

Hier genau ist Rosberg großartig. Die beste Information finde ich das Projekt Dollar Street: Dort sieht man 50 typische Familien aus 50 Ländern der Welt. Monatseinkommen von 20 Dollar in Afrika bis 10.000 in New York. Und man sieht: Alle sind ganz normale Familien, mit meist strahlenden Kindern und freundlich aussehenden Eltern. Manche leben in Armut, andere im Reichtum. Die meisten irgendwo in der Mitte.

Aber klar, das widerspricht unserem Wissen und unserer Intuition. Es ist doch Allgemeinwissen, dass wir „auf Kosten der armen Länder und der Natur“ immer reicher werden. Weil die Menschen an das „Null-Summen-Spiel“ glauben. Hat einer mehr, muss der andere weniger haben. Es ist die Logik, die Trump und seine Wähler auch glauben. Es stimmt nur nicht. Mit jeder Erfindung, jedem neuen internationalen Vertrag, jeder kulturellen Entwicklung entsteht etwas Neues. Es ist mehr da. Es geht nicht automatisch auf Kosten von irgendjemand.

Es war anders. Und das ist die erstaunliche Wahrheit. Es gab sie, die große weltweite Armut. Sie war sogar immer schon da. Es war das ganz normale Leben vor der Moderne, vor der Industrialisierung. Alle waren arm, bis auf ganz Wenige. Und auch die Naturvölker leben in Armut. Haben eine Lebenserwartung von 20 bis 30 Jahren gehabt. Wurden von Parasiten, Bakterien und Würmern heimgesucht. Aberglaube und Missbrauch war der Alltag.

Es gab sie nur in unserer Vorstellung. Die heile Zeit des Paradieses, damals, als alles noch in Ordnung war. Sie liegt immer irgendwo in der Vergangenheit. Während heute alles verdorben ist. Auch zu Zeit der alten Griechen wurde das schon gesagt.

Zur Zeit ist wieder die Kritik des Kapitalismus in Mode. Besonders der Neoliberalismus ist als Wurzel allen Übels erkannt. Man kann es sich schon fast nicht mehr trauen hier eine andere Sichtweise öffentlich zu vertreten.

Was war, bevor der Neoliberalismus und die Globalisierung an Fahrt aufnahm? Die Sozialdemokratie in Deutschland und Labour in England, Carter in den USA und Breschnew in der UDSSR: waren es bessere Zeiten? Es gab viele wichtige soziale Reformen, die angestoßen wurden in diesen Zeiten, gar keine Frage. Aber hat die Wirtschaft besser funktioniert? Gab es weniger Arbeitslose? Waren die Betriebe wettbewerbsfähiger? Gab es bessere Produkte? Gab es weniger Gewalt, öffentlich oder privat? War das Land sicherer? Ging es der Umwelt besser, waren Wasser und Luft sauberer?

Und um nur auf Berlin zu schauen: War das Berlin im Westen vor der „Gentrifizierung“ mit dem abgeschotteten Subventionswelten, den zerfallenden und leerstehenden Wohnraum weil niemand dort leben wollte der Geld hatte oder es verdiente besser? Wo man nach Berlin kam weil man anders leben wollte, aber manchmal auch „auf Kosten anderer“? Wo die wahre Kunst zum guten Leben zu kommen darin bestand, zur Antragstellung so arm zu sein dass man den WBS, den „Wohnberechtigungsschein“ bekam und damit die supergünstige Wohnung? In der man dann den Rest seines Lebens günstig wohnen konnte, egal ob man nachher Doppelverdiener in Akademikerberufen war? Auf Kosten des Steuerzahlers, der ja irgendwo anders zu finden war, dort im spießigen Süden in Bayern oder Baden-Württemberg?

War das Leben im Prenzlauer Berg besser? Als es noch Außenklo, Kohleofen, keinen einzigen Baum und zerfallen Fassaden hatte, ein graues Einerlei und den HO an der Ecke, dahinter die Plattenbauten mit Trabis und Wartburgs davor. Und an jeder Ecke der Abschnittsbevollmächtigte und die besseren Wohngegenden der Neubauten für Partei, Armee und verdiente Werktätige reserviert – war es da besser? Gerechter? Durchmischter?

Als die Wohnungen noch spottbillig waren, hat sie da jemand gekauft? Es gab Zeiten, da bekam man das eigene Haus in Kreuzberg oder im Prenzlauer Berg praktisch geschenkt und dazu noch einen Kredit und eine Förderung, von der Stadt wenn man nur bereit war selbst Arbeit hineinzustecken. Wie viele haben das gemacht? Eine Handvoll. Die meisten sind lieber kein Risiko eingegangen und öfters mal in den Urlaub oder die Datsche gefahren. Verständlich.

Und woher hätte das Geld denn kommen sollen, um hunderttausende maroder Altbauwohnungen zu sanieren? Vom Staat etwa? Und woher hätte Berlin dieses Geld nehmen sollen, mit den bereits höchsten Ausgaben für seine städtischen Angestellten in ganz Deutschland? Es gab Zeiten, da zahlte Berlin mit seinen kompletten Steuereinahmen gerade seine eigenen Angestellten. War das die bessere Zeit?

Würde man die Fakten anschauen, wäre die Antwort klar. Die Globalisierung ist ein Erfolg, für die ganze Welt. Sie ist Teil des Fortschritts, den die Welt zurücklegt. Natürlich kann man gegen Webstühle, Computersetztechnik und jede neue Erfindung sein. Aber das ist keine Lösung. Es ist auch kein Weg der Nachhaltigkeit.

Die Armut hat sich auf der Welt halbiert, in den letzten 20 Jahren.  Die Lebenserwartung liegt bei 70 Jahren weltweit. Die Gewalt ist so niedrig wie sie es je war auf dem Planeten. Es gibt weniger Kriege als je zuvor. Und das hat seine Gründe. Wir haben vieles richtig gemacht Und wir können noch viel verbessern. Und natürlich gibt es noch Elend, Ungerechtigkeit, Krankheiten auf dieser Welt. Benachteiligungen, schwere Schicksale. Natürlich gibt es Vieles, was angegangen werden muss. Aber um das zu können muss die Welt funktionieren. Muss die Wirtschaft funktionieren.

Der Glaube, es müsse erst etwas zerstört werden um etwas Besseres aufzubauen ist voller Gewalt. Es kann nur in kleinen Schritten der Verbesserung vorangehen. Aufbauend auf dem, was funktioniert. Und die Themen angehend, die noch nicht funktionieren.

Und wir haben auch noch große Aufgaben vor uns. Die Energiewende und eine Kreislaufwirtschaft ist eine globale Aufgabe der nächsten 100 Jahre. Wir werden sie schaffen, davon bin ich überzeugt. Und das ist kein „Friede, Freude, Eierkuchen“, sondern eine realistische Einschätzung.

Und was habe ich mir heute vorgenommen? Gestern, im Zug zurück von Hamburg habe ich mir kurz für alle sieben Bereichen je ein Ziele notiert, dass mich aktuell am meisten motivieren. Und ich bin weiter dabei, sie anzugehen. Ich werde den Blog weiterführen. Weiter für die Kinder nach der Schule da sein, denn das Wiederankommen ist für sie gerade die größte Aufgabe. In der Klasse haben sie gleich Freunde gefunden. Aber in Mathe und Deutsch gibt es Nachholbedarfe, gar keine Frage. Und auch Frust. Wir sind dabei und tun unseren Teil, damit es vorangeht.

Morpheus und Velis haben Probestunden im Fußballverein. Es gefällt ihnen. Wir haben einen Verein im Wedding ausgesucht – es ist gut, wenn die Kinder mal unseren Prenzlberg verlassen. So bin ich mehr beim Kinderabholen eingespannt, denn die Termine sind nachmittags.

Es tut gut, dass wir uns für die Wochenenden mehr aufteilen – so kann jeder einmal ein Wochenende sich selbst weiterentwickeln, Workshops besuchen, Freunde treffen – wenn der andere die Kinder hat.

Wir sind noch dabei die Freunde wiederzutreffen. Es ist jedes Mal eine große Freude und die Tage sind so oft lang.

Für die Arbeit gibt es meine „digitale Identität“ zu verbessern. Ich arbeite meine alten Projekte durch, um meine Erfahrung besser darzustellen und vernetze mich neu, um hier besser aufgestellt zu sein.

Langsam ist die Wohnung, die Geräte, der Keller, wieder in Ordnung gebracht. Holz ist da für den kommenden Winter für den Kamin. Ich bin mit meinem Triathlon-Training weiter gekommen, heute 10 km Laufen, Radfahren zur Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark an der Landsberger Allee. Ich liebe diese Architektur. Etwas Futurismus und Größenwahn aus den 90er Jahren ist dort zu spüren. Die größte Schwimmhalle Europas, daneben ein Velodrom. Alles in die Erde eingegraben so dass man es nur aus der Luft wirklich sehen kann.

Dort bin ich 1000 Meter gekrault, das bin ich das letzte Mal vor 30 Jahren. Es ging. Mit den 10 km Radfahren darum herum war ich 2 ½ Stunden im Sport-Modus. Und das spüre ich jetzt. Aber es ist eine wohlige Erschöpfung. Ich werde früh schlafen gehen. Wir haben alle noch eine Osho Tarotkarte gezogen. Jeder hatte eine andere „Aufgabe“ gezogen, ich die „Erschöpfung“, nur Tara hatte eine leichte Karte. In einem Monat sind Herbstferien, die Kinder werden sie brauchen. Ich freue mich auch darauf.

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