Der letzte Abend in Peru

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Abschied von Peru

8.Juli 2018, Cuzco, 15.00 und 21.00 Uhr

Ich sitze mit Nadine auf einem kleinen Brunnen an der Straße in der Sonne, wir trinken Cappuccinos und genießen einen kurzen Moment zu zweit. Wir haben Alpakapullis für die Freunde gekauft und sind weiter inspiriert von den süßen kleinen Läden und Cafés. In der dünnen Höhenluft bekomme ich selbst etwas luftige Ideen. So etwas sollte man selbst auch machen, denke ich, ein Café und ein paar schöne Sachen zum schmücken, anziehen oder dekorieren in der Auslage dazu. Ich könnte gleich meinen Arbeitsplatz dorthin verlagern. Ich brauche nicht viel Platz, habe in Kellerräumen oder im Flur, in der Ankleide oder in der Ecke im Schlafzimmer gearbeitet. Aber es wäre toll, als ein etwas offenerer Ort als die eigene Wohnung. Und fremde Cafés sind mir wieder zu offen zum Abeiten.

Durchs Reisen sind eh meine Vorstellungen von Arbeitsplätzen flexibler geworden, und die Werkzeuge leichter. Einer der besten Erfahrungen ist es, die Post nur noch eingescannt zu bekommen, gleich mit dem Hinweis was wichtig und dringend ist, dank unserer tollen Mitarbeiterin daheim. Und dass alles was ich an wichtigen Unterlagen habe bereits digitalisiert ist, und ich über die Cloud darauf Zugriff habe, auch wenn jemand genau ein Dokument zeitnah braucht.

Ich sehe auch- immer mehr wird das Handy der Dreh-und Angelpunkt. Habe ich am Anfang der Reise noch versucht, Fotos auf den Rechner zu überspielen und Texte und Mails dort zu schreiben, habe ich schon seit Namibia fast nur noch mit dem IPhone gearbeitet. Weil auch die Intelligenz der Textvorschläge immer besser wird und ich merke wie ich mit den zwei Daumen fast genau so schnell schreiben kann wie mit dem guten alten Word. Aber Word hätte niemals gewusst, dass ich Sacsayhuamán meine, wenn ich sacs schreibe- keine Ahnung woher das die Notizzettel von IOS wissen. Aber es macht das schreiben leichter.

Und auch das Bloggen mit der WordPress App läuft elegant, das einzige Nadelöhr ist das Upload der Fotos, die sich nicht einfach so verkleinern lassen und je nach Verbindung von Minuten bis Stunden dauern können.

Man gewöhnt sich sich schnell daran, in jedem Land eine neue SIM-Karte einzulegen. Auf jeden Fall einer der bleibenden Einsichten – man kann als digitaler Nomade auf der ganzen Welt unterwegs sein – es funktioniert.

Mit der langsam genesenden Tara war ich einkaufen, mit Velis zog ich noch zum Fußballfeld vor, mit Lysander machte ich mich auf zur Ruine von Sacsayhuamán. Ein Kilometer am Rande der Altstadt einen Fußweg, der sicher schon aus der Zeit der Erbauung der grandiosen Anlage vor 600 Jahren stammt.

Diese riesige Anlage ist eine „Show of Force“, jeder Besucher muss zur Herrschaftszeit der Inkas beeindruckt gewesen sein, wie man so viele Steine in solcher Größe von 20 km entfernten Steinbrüchen ohne Rad, Pferd oder Wasserstraße auf diesen Berg transportiert hat um sie dann millimetergenau einzupassen. Es wird sicherlich auch religiösen oder zeremoniellen Zwecken gedient haben. Sicher wird die Forschung in der Zukunft noch viel hierzu zu sagen haben.

Im riesigen Reich der Inkas spielten ja die vier Himmelsrichtungen eine große Rolle, und so war vom zentralen Platz in Cuzco (dem „Nabel der Welt“) aus vier Straßen in vier Teile des Reiches ausgelegt. Und Sacsayhuamán war sicherlich eine zentrale Stätte.

Für mich auch hier wieder interessant zu sehen, wie schwach unser Gedächtnis ist, jedenfalls das meine. Ich war hier schon zwei Mal, mit 8 und mit 19 Jahren, aber habe eigentlich nichts wiedererkannt. Ein, zwei „mentale Fotos“ vielleicht, die meist am ehesten wirklich Fotos waren, sind von damals geblieben. Aber eigentlich war alles neu. Es lohnt sich, so sehe ich es mehrfach am gleichen Ort zu sein -und auch von wichtigen Erlebnissen nicht nur Fotos, sondern auch Tagebuch-Aufschriebe zu machen, wenn man den Erinnerungen einen dauerhaften Platz im Gedächtnis geben will.

Und so war meine dritte Zeit in Peru eigentlich in jeder Weise neu – man steigt tatsächlich nicht zwei Mal in den selben Fluss. Das Peru das ich besucht habe hat sich ungeheuer entwickelt. War vor 30 Jahren die typische Frage: „kannst du mir helfen nach Deutschland zu kommen?“, so habe ich dieses Mal von Niemand gehört, das er weg wollte- eher haben die Peruaner von ihrer Deutschlandreise erzählt und wie schön es in Heidelberg war…

Und so bleibe ich optimistischer Mensch auch dabei, dass die wenigsten eigentlich von daheim weg wollen und das Frieden und wirtschaftlicher Fortschritt die wichtigste Antwort ist.

Und natürlich bin ich auch ein anderer als vor 30 Jahren. War ich damals auch eher noch auf der Suche nach meiner Heimat und fand sie in Peru nicht, so sehe ich jetzt mit Freude wie mich dieses Land mit seiner Vielfalt, Freundlichkeit und seiner Sprache und Kultur mit geprägt hat, ich aber in Deutschland und ganz besonders Berlin zu Hause bin.

Das Taxi ist bestellt, morgen früh um 8 geht es los nach Bolivien. Ich werde wieder nach Peru kommen, dieses Mal nicht erst in 30 Jahren.

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