7.Juli 2018, 21.47, Cuzco

Cuzco hat wunderschöne Ecken, die zum Verweilen auffordern, romantische Plätze mit Brunnen an einer alten Kirche, enge Gassen mit alten Holztüren und süße Cafés, in denen es spottbillig trendige Ethno-Kleidung gibt und die Sonne scheint fast immer.

Ich mag besonders die kleinen Mini-Läden, die überall in großer Enge alles lebenswichtige verkaufen, und den Gemüsemarkt hinter unserem Haus, wo es verwirrend viele Kartoffelsorten zu kaufen gibt. Die kleine Wäscherei mit der freundlichen Angestellten wäscht alles am gleichen Tag, das Kilo für 1.20 €. Ein Luxus nach den Waschsalon- Monaten in USA und Australien. Nebenbei bietet sie auch noch Touren an – je kleiner der Laden, umso vielseitiger das Angebot, so kommt es mir vor. Es gibt auch Apotheken mit Reisebüro, Gemischtwaren, die Pille und Kondome im Angebot. Fortschrittlich für das katholische Peru, finde ich.

Man muss sich an die Kälte nachts und in den Häusern gewöhnen, morgens aus der Tür zu treten ist wie im Winter in den Bergen. Aber ich verstehe, warum Cuzco für viele so attraktiv ist – ich erinnere mich, unser Gastgeber in Hawaii, gebürtiger Engländer hatte vor Big Island ein paar Jahre in Cuzco gelebt. Ich komme wieder her.

Aber wenn man wenig Zeit hat und der Abschied naht, ist es oft an schönsten. “Verweile doch, oh Augenblick, du bist so schön“- und so war unsere kleine Runde heute Nachmittag nur mit Nadine so gut.

Unsere süßen Kinderlein nach dem kurzen Ausflug zum Spielplatz wieder mit fiebrigen Augen zurück auf die Sofalandschaft und unter die Decke gebracht. Russland ist in der WM ausgeschieden, unsere Großen haben für Kroatien mitgefiebert und sind glücklich, Tara und Morpheus fiebern weiter und schlafen mal richtig aus.

Die Nudeln wollen bei 85 Grad Siedepunkt auf 3500 Meter Höhe nicht richtig gar werden und werden matschig dennoch verspeist, ich mache zum Frühstück Pfannkuchen und Bananenshake und freue mich weiter an den Maracujas, eigentlich Grenadillas, den unglaublich leckeren Avocados und an Streichhölzern Marke Llama, die wie früher aussehen.

Ich habe es fast geschafft das zweite Buch (!) auf der Reise zu lesen, nach einer Biografie über Timothy Leary nun über John Lennon – ein Kindle-Kauf von Lysander. Schön, wie ich jetzt schon von den Kindern die Inspiration bekomme – ich weiß, irgendwann werden wir realisieren dass wir ahnungslos sind und sie wissen was angesagt ist. Schön dazu passend die Solo-Alben der Ex-Beatles zu hören, die Lysi mit Spotify über die Boom laufen lässt.

Unsere Wohnung ist schon wieder ein lebendiges Chaos, unser mobiler 120-Kg- Haushalt hat alles was man braucht, aber ohne Nadines magische Gabe zu wissen wo alles ist findet keiner mehr irgendwas; mit ihrer unermüdlichen Energie kämpft sie gegen das Durcheinander an, das vier Männer und ein vierjähriges Mädchen täglich verursachen. Sie hält täglich den Laden zusammen und trägt jedes Kind 24 Stunden, seit 11 Monaten fast ununterbrochen mit – ich bin ihr so dankbar.

Ja, es ist schon wieder Abschied zu nehmen, Abschied von Cuzco und von Peru. Übermorgen fliegen wir schon weiter nach Cochabamba, Bolivien. Die Pläne haben sich geändert, wenn alle sich erkälten ist es Zeit nach einem wärmeren Ort zu schauen – und Cochabamba liegt mit 2600 Meter tiefer als Puno oder La Paz, und zwei Tage Busfahrten müssen auch nicht sein. Ein Tip meiner Mama, die ja in jeder Stadt der Welt passend auch immer Freunde hat, die wir doch besuchen könnten. Nur gab es so kurzfristig nur noch einen Flug mit 8 Stunden Aufenthalt auf dem höchstgelegen Flughafen der Welt in La Paz- gut, das kriegen wir auch hin. Wie die netten Australier aus Melbourne, die sich auf dem Oktoberfest kennengelernt hatten, aus dem Zug gestern meinten: „macht euch keine Sorgen, wer mit vier Kindern um die Welt reist, der schafft alles“.

So werden wir morgen noch mal Sacsayhuamán anschauen, die grandiose Inkafestung vor Cuzco, ein Dutzend Alpakapullis kaufen und hoffen, dass alle wieder gesund werden.

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