Mittwoch, 13. Juni 2018, 22.12, Trendy Host Apartment, Barranco, Lima

In Lima im Winter anzukommen ist nicht gerade die attraktivste Art, in der man in einem Land kennenlernen kann – um es mal vorsichtig auszudrücken. Es ist eine 10-Millionen-Metropole. Und ich erinnere mich – der strenge Geruch von Fisch von Hafen herüber geweht gehörte genauso zu meiner Kindheit in Peru wie der monatelange Nebel in Grau, der den Winter in Lima prägt. Dazu fröstelt es einen leicht, weil bei hoher Luftfeuchtigkeit auch 16 bis 20 Grad kühl wirken können – besonders ohne Heizung daheim.  Und ja, Lima liegt in der Wüste. Die vorherrschende Farbe ist ein grau-braun. Selbst das Meer am Pazifik sieht genauso aus. Der Verkehr ist chaotisch und schnell. Die Straße hat Löcher. Es sieht oft ärmlich aus.

Aber meine Familie war großartig, meine dennoch auftretende Begeisterung (ja, was man aus seiner Kindheit kennt liebt man eben) nicht durch unkluge Bemerkungen zu schmälern und machte einen großartigen Job. 10 Monate zusammen zeigen Wirkung – jeder kennt den anderen und weiß, wie man am besten miteinander umgeht.

An jeder Straßenkreuzung rief ich so etwas wie: „hier gerade aus geht es zu meiner alten Schule“ oder „die VW-Käfer gibt es immer noch!“ oder: „so sah auch der „Chino“, der Laden bei mir um die Ecke aus, bei dem ich immer Bonbons und Fußballbilder gekauft habe“.

Fährt man vom Flughafen in die Stadt, dann sieht vieles tatsächlich wie früher aus. Aber vieles auch ganz anders. Aus den Slums aus Strohhütten entlang der Straße sind zweistöckige Ziegelhäuser geworden. Es gibt noch ein paar Käfer, aber keine VW-Busse mehr und auch keine Ikarus-Busse. Die Metro ist immer noch nicht gebaut, aber es gibt eine Busspur die getrennte Stationen hat. Es werden Bäume im Sand entlang der Panamericana angepflanzt Schaut man genauer hin, sieht man: Lima ist zu einer modernen Metropole geworden.

Nadine meint: Es ist ganz anders hier als in allen Ländern in denen wir bisher waren. Das stimmt. Südamerika hat noch einmal eine ganz andere Note.

Und freundlich sind sie weiter, die Peruaner. Hatten wir je eine so liebevolle „Mama“ an der Einreise? Und kaum kommen wir in die besseren Wohngegenden, wird es auch immer bunter und grüner. Barranco, ein historisches Viertel am Wasser, empfängt uns sehr gastfreundlich. Ein gerade fertiggestellter Neubau beherbergt unser Apartment, es ist klein aber perfekt eingerichtet für uns, mit Küche und drei Schlafzimmern. Es gibt einen Fernseher mit Youtube, und so schauen wir uns eine spannende Doku von National Geographic über Machu Picchu, die sagenumwobene Urwaldstadt an.

Und kochen abends noch etwas, am nächsten morgen geht es gleich mit frischem Schwung nach der „Schule“ los Richtung Süden nach Pachacamac, dem größten Heiligtum der Küstenregion, am Fluss Lurin gelegen.  Hier gibt es schon seit 10.000 Jahren die ersten Spuren von Menschen, seit 2000 Jahren wurde hier eine Tempelstadt errichtet für den „Schöpfer der Welt“, „Pachacamac“.

Ein neu errichtetes sehr elegantes Museum empfängt uns gemeinsam mit Busladungen peruanischer Schüler. Die Anlage ist sehr groß, wir laufen über 4 Km und haben nur einen kleinen Teil bis zum Sonnentempel geschafft.

Es ist eine Welt in grau. Früher muss der ganze Tempel rot angemalt gewesen sein. Es gibt einen Botanik-Bereich, in dem die alten Nutzpflanzen der Inkas angebaut werden. Wir essen in der Museums-Cafeteria einen Lucuma-Kuchen, sehr lecker; schmeckt wie Karamell, diese Frucht.

Im Museum sieht man nur eine winzige Auswahl der Schätze, die in den Gräbern dort unter dem Sandboden und Lehmziegeln verborgen lag und liegt. Und auch die Erinnerung daran, dass die so bekannten Inka nur einen sehr kurzen Zeitraum Peru geprägt haben. Es gab viele viele Kulturen vorher, die gemeinsam diese unwirtliche, raue und wilde Welt von Wüste, hohen Bergen und Urwald erobert und fruchtbar gemacht haben.

Peru ist ein Land der Extreme. Als wir in Lima ankommen nieselt es abends leicht, aber spürbar. Eine Rarität hier in der Wüste. Wir sind neugierig auf noch mehr Überraschungen in diesem ungewöhnlichen Land.

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