Sonntag, 6. Mai 2018, 9.00 Uhr, Waikoloa, Kona, Big Island Hawaii

Und auf einmal war unser Aufenthalt im magischen Pele’s Breath vorbei. Gegen 14.00 erschien ein Einsatzfahrzeug mit der Behörden mit Blaulicht bei uns. Sie fuhren Haus für Haus ab, um die verbliebenen Bewohner zum Verlassen aufzufordern. „Get out here now, the situation is getting worse!“ sagten die beiden Männer freundlich, aber bestimmt.

Wir hatten uns schon ganz gut in die Ausnahmesituation eingerichtet. Ich war abends noch in der Dampfsauna. Bei aufgehendem Mond und den vielen Tiergeräuschen der Nacht war der Weg vom Haus herunter durch die atemberaubende Natur noch magischer. Alles sah friedlich, aber zugleich etwas unheimlich aus. Irgendwo da unter uns brodelt die Magma. Und sie sucht sich überraschend neue Wege heraus, hier ganz in der Nähe. Zugleich fühlten wir uns weiter sicher. Die reale Gefahr für uns war minimal.

Morgens stellten wir fest, das Nachts wieder der Strom ausgefallen war. Er tat jetzt wieder, nicht aber das Internet. So fehlte das beruhigende Gefühl gut informiert zu sein. Wir haben ja beide keine funktionierende Telefonkarte, und Handyempfang gab es am Haus eh nicht.

Erst einmal gab es Frühstück.

Und die Kinder malten weiter Vulkanbilder. hier das von Tara: man sieht deutlich, sie versteht dass die Lava unter der schwarzen Oberfläche fließt.

Bei Velis ist der ganze Berg aktiv:

Nadine setzte sich um 13.00 ins Auto, um das „Civil Defence Update“ zu hören. Es sprach von zwei neuen Öffnungen und „increased activity“.

Ich lief die Straße entlang. Es war kein Auto weit und breit zu sehen, nur die grandiose Natur. Am Ende sah ich wieder die Einsatzkräfte, die Einfahrt von der Küste hinein blieb gesperrt.

Wir waren allein, die letzten anderen Gäste weg und Marc und Ishika auch nicht daheim. Als dann ein Pickup mit Blaulicht bei uns auf das Grundstück kam, wusste ich dass es jetzt Zeit war aufzubrechen.

Wir verließen Pele’s Atem wehmütig und zugleich dankbar, so ein Abenteuer so hautnah erlebt zu haben.

Mir kam das Hotel California in den Sinn: etwas erinnere mich dieses große, einsame Haus daran. War das hier das Hotel Hawaii: „such a lovely place“

„this might be heaven or this might be hell“?

Es hatte seine besten Tage hinter sich, so sieht es aus. Aber es hat einen magischen Charme. Natur, Ausblick, der verwunschene Garten, die aus Lavafelsen gebauten zwei Saunas, die Löcher aus denen kontinuierlich Damf aufsteigt. Blick auf das Meer, ein feuchtes Klima mit tagelang Regen. Ständige Erdbeben. Die freundlichen „Herbergseltern“ Marc und Ishika, die aber zugleich etwas abwesend erscheinen. Fühlen sie sich hier Zuhause? Dann kommt die Sonne heraus, und der Vulkan bricht nebenan aus und es gibt schwere Erdbeben.

Wir sind zwei Nächte danach noch geblieben. Hatten eine tolle Zeit, haben uns gemeinsam der Aufgabe gestellt Ruhe zu bewahren.

Zwei Momente waren besonders aufregend: nach dem ersten Sirenen zu lesen, dass tatsächlich ein Ausbruch stattfindet, in unserer unmittelbaren Nachbarschaft! Was für eine Synchronizität, dass wir hier gerade jetzt sind!

Und dann das Gefühl, bei wackelndem Untergrund im Bett zu liegen und einschlafen zu wollen. Und sich dabei vorzustellen, was auch hier passieren könnte wenn es doch nicht nur ein kleiner Ausbruch des unberechenbaren Kilaue ist.

Aber alles ging gut, und Grenzerfahrung erweitern den Horizont und schweißen zusammen.

Als wir dann in Pahoa unsere Pizza aßen und danach auf der Straße standen, fühlten wir uns etwas lost. Wohin jetzt?

Doch dann: mit dem ersten WLAN gab es wieder Infos. Wir fanden eine neue Bleibe in einem schicken Resort in der Nähe des Traumstrands Hapuna Beach.

Und fuhren die Nacht hinein durch Nebel über die Insel.

Heute morgen eine ganz andere Welt. Alle sind sehr glücklich.

Und in den Nachrichten wie in der FAZ ein seh guter Bericht über das, was wir hautnah miterlebt haben.

http://m.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/nach-vulkanausbruch-und-beben-lava-auf-hawaii-15577001.html

Ich nutze auch das erste Mal den Facebook Crisis Response:

Heute morgen das Civil Defense Update:

Jetzt sind es neun Öffnungen. Es ist gut, das wir aufgebrochen sind.

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