Donnerstag, 3. Mai 2018, 11.37 Mai, Pele´s Breath, Pahoa, Big Island, Hawaii, USA

Die Spannung steigt. Gerade hat der Boden wieder gewackelt. Seit vorgestern gibt es immer neue Erschütterungen.

Am Dienstag wurde auch das ganze Gebiet des „Lava Watching“ vom Vulkan bis zur Küste gesperrt, wo wir am Montag noch mit den Kindern am Eingang waren. Es droht die Öffnung eines neuen Lava-Ausgangs unterhalb des Pu’u O’o Kraters, der etwas unterhalb des Hauptkraters des Kilauea gelegen ist, wo wir unsere Fotos gemacht haben.

Und schon wieder wackelt gerade die Erde, während ich diese Zeilen schreibe.

Um 10.30 Uhr, vor eine Stunde war es ein Erdbeben der Stärke 5.0. Ich saß hier draußen vor der Tür, als es richtig wackelte. Ich kenne ja das Geräusch der rüttelnden Glas-Schiebefenster noch von meiner Kindheit in Peru.

Hier in den USA ist alles extrem gut wissenschaftlich untersucht. Ich kann jetzt schon das Update im Internet lesen, die Karte mit dem derzeit betroffenen Gebiet anschauen und bleibe informiert. Wir sind ziemlich genau dort, wo die Straße 130 markiert ist – mitten in der Erdbebenzone.

180503-Kilauae Volcano East Rift Zone

Man kann aber Vulkane nicht vorhersagen. Zwar gleichen die Muster denen vor den letzten Ausbrüchen, aber es kann auch genauso gut anders verlaufen. Auf jeden Fall hat der obere Kratersee (an dem wir vorgestern waren)  seit gestern 30 Meter (!) an Höhe verloren. Bei 300 Meter Durchmesser des Kraters ist das eine große Menge Magma, die sich einen anderen Weg gesucht hat, über eine Million Kubikmeter.

Die Welt ist in Bewegung und ändert sich. Oberhalb eines Magma-Schlots, der durch die Erdkruste tief bis zur heißen Magma im Erdinneren ragt ist dies deutlich zu spüren. Die Inseln Hawaiis sind wie auf einer Perlenkette aufgereiht. Man erkennt, die Bewegung der Kontinentalplatte geht Richtung Westen. Ganz im Westen gelegen war Kauai die erste Insel. Und jetzt ist der östlichste Teil der östlichsten Insel „Big Island“ der Ort, wo der unterirdische Schlot die Verbindung zum Erdinneren hat und das ist genau dort, wo wir jetzt sitzen.

180503-Karte Hawaii

Und schon wieder vibriert es.

Dort, wo die Lava geflossen ist gibt es nach kurzer Zeit erste Pionierpflanzen, die den neuen Boden besiedeln. Und es gibt Pioniere die dort genau hinziehen. Es ist das günstigste Land das man erwerben kann. Schon für 5000 Dollar kann man ein Grundstück kaufen und ein Holzhaus daraufstellen. Am Besten eines, das sich mit dem Laster bewegen lässt, wenn der nächste Lavastrom doch wieder dort entlang gehen sollte. Wir haben zahlreiche Häuser gesehen.

Hawaii wurde erst im ersten Jahrtausend nach Christi von den Polynesiern besiedelt, als deren Schiffe weit genug fahren konnten und um 1000 begann eine stärkere Besiedlung der Insel.

1778 erreichte der Brite James Cook als erster Europäer Hawaii. Die mitgebrachten Infektionskrankheiten, vor allem Pocken reduzierten die Bevölkerung von 300.000 auf 20.000 im Jahre 1920. Gleichzeitig wuchs auch der Einfluss der USA, die aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen (Zuckerrohr und Ananasanbau) die Insel schließlich 1959 annektierten. Die militärische Bedeutung wurde deutlich, als am 7. Dezember 1941 der Flottenstützpunkt Pearl Harbor auf O’ahu  (Honolulu liegt dort) durch einen Überraschungsangriff der Japaner zerstört wurde – der Beginn des Kriegseintritts der USA im 2. Weltkrieg.

Hawaii liegt so einsam im größten Meer der Welt, dass erst mit dem Jetzeitalter in den 60er Jahren erste wohlhabende Touristen das ferne Eiland in größerer Zahl erreichten.

Und das ist nicht das Ende. Der wirtschaftliche Fortschritt macht das Fliegen billiger, und so erreichten 2017 das erste Mal mehr als 10 Millionen Menschen Hawaii, mehr als die Hälfte blieb aber nach der Landung in Honolulu dort auf der Insel O’ahu. Für unter 200 Euro  kann man von der Westküste hier herkommen, und selbst von Japan gibt es für 250 Euro Return-Tickets.

Und es ist ein attraktives Ziel für Amerikaner auf der Suche nach einem anderen Leben mit mehr Natur, oder auch der Suche nach dem großen Glück. Wie so oft ziehen sie weiter Richtung Westen. Ich mag diese Einstellung. Und sehe für Hawaii eine große Zukunft. Was sind schon 10 Millionen Touristen, wo alleine nach Mallorca im Jahr 2017 fast 14 Millionen gereist sind?

Wem Kalifornien bereits zu etabliert ist, findet hier was er sucht. Gestern die Fahrt einmal quer zwei Stunden über die Insel durch wunderbar grüne Hügel, aber auch Lava-Mondlanschaften, absolut menschenleer vorbei am 4200 Meter hohen Mouna Kea zur trockenen Westküste mit seinen hellen Traumstränden war wunderschön.

Hapuna Beach war nicht untouristisch, aber die Kinder fanden die sanften Wellen und den tollen weißen Sand großartig und der kritische Lysander gab dem Strand 9 auf seiner Skala von 1 bis 10.  Ich setzte nur einmal die Taucherbrille auf und schwamm etwas hinaus, zu dem kleinen Riff um das sich einige Schnorchler gruppiert hatten.

Als ich ein paar Korallen sah dachte ich schon – na ja, die machen ja sicher Geld damit den Touristen die Sachen auszuleihen, hier gibt es ja nichts zu sehen.  In diesem Augenblick sah ich vor mir auf einmal etwas sich bewegen. Es war eine große Schildkröte, die an der Koralle versuchte etwas abzubeißen. Sie war mindestens so lang wie Tara. Es kam noch eine zweite und eine dritte Schildkröte dazu. Ich hätte sie anfassen können, sie schwammen direkt vor mir. Erstaunlich.

Jetzt brechen wir auf zu einem kleinen schwarzen Sandstrand 15 km von hier. Hier treffen sich vor allem die Einheimischen, und er hat einen alternativen Touch  – Kleidung ist freiwillig.

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