Am 6. April wurde ich also 50 Jahre alt. Passend hatte mich ja am Vortrag ein junger Mann auf dem Festival angesprochen und gemeint, ich sähe aber auch wirklich genauso aus wie Wim Hof, ein mir bisher unbekannter Holländer. Ich habe ihn gegoogelt, und siehe da:

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Ok, er ist schon 58 Jahre alt, aber vielleicht schaffe ich es ja mit einem etwas grimmigeren Blick in ein paar Jahren als sein Double aufzutreten. Besser wäre es natürlich, ich könnte ein paar seiner Fähigkeiten auch erwerben. Schließlich hat Wim Hof durch eine besondere Atem- und Meditationstechnik es geschafft, 18 Weltrekorde im Aushalten von Kälte aufzustellen.

Ich bin ja auch schon immer begeistert ein paar Schritte im Schnee barfuß gelaufen, etwa letztes Jahr beim Skifahren in Tschechien, aber meistens brannten mir die Füße schon nach einer Minute danach ganz furchtbar. Und im Kältebecken beim Saunagang finde ich es auch immer super. Nur leider muss ich dabei immer an die Menschen denken, die von der Titanic ins Wasser gesprungen sind, und dadurch steige ich recht schnell wieder heraus.

Wim Hof aber bleibt in Eiswasser fast zwei Stunden darin. Auf dem Foto oben läuft er übrigens einen Marathon in der Wüste Namib, ohne dabei einen Schluck Wasser zu trinken. Ich habe ja auch schon ein paar Marathons hinter mir, aber da lässt sich also auch noch etwas herausholen.

Aber morgens kalt abduschen – das mache ich schon seit ich 15 bin. Ich bin also auf dem richtigen Weg.  Aber Atmung, Einstellung und Kälte: da kann ich doch noch was lernen für die nächsten 50 Jahre.

Überhaupt kann ich jedem nur empfehlen, seinen 50. Geburtstag in Bali auf dem Spirit Festival zu feiern. Da dort 80 Prozent der Teilnehmer junge Frauen sind, fühlt man sich automatisch „wie ein Popstar“. Und wenn ich auch noch dazu so wild wie der „Eismann“ aussehe, sind das glänzende Aussichten.

So war auch am 6. April mein Ziel klar: einen Tanzworkshop finden. Es gab auch einen ausreichend nah am Swimmingpool. Denn keines unserer wunderbaren Kinder hatte Lust auf die teuer bezahlte und pädagogisch wertvolle Kinderbetreuung.

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Tara hat sich zu Mama zum Blumenbindworkshop gesellt.

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Das Ergebnis lässt sich sehen, und Nadine hat auch schon ein paar Tänzer an ihre Seite gezogen.

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So mischten die Kids am Pool gut auf und unterbrachen die meditative Stille durch ihr wohldosiert-freudige Einlagen an Ringkämpfen, in Wasser schubsen und herumplantschen und möglichst laut schreien. Zum Glück passte ein bayerischer Bademeister auf – leider eine tragische Gestalt. Seine süße 3 jährige Tochter spielte immer mit Tara. Aber er erzählte uns, man habe ihm und seiner Frau, die mit ihm auf dem Festival war  vor 4 Jahren in Bayern ihre drei weiteren gemeinsamen Kinder weggenommen und bei einer Pflegefamilie untergebracht, weil er uns seine Frau zum Islam übergetreten seien. In Bayern ticken die Uhren doch noch manchmal erschreckend anders.

Auf jeden Fall gab es im Amphitheater den Workshop „We speak dance“ mit Vandana Hart. Sie ist eine faszinierende Frau, die wirklich begeistern kann und eine eigene Netflix-Serie hat: „we speak dance“. Ihre Mission ist es mit Tanz die Welt zu verbessern.

Das hat mich gleich begeistert. Denn die Frage die sie stellte: „Was wünschst Du Dir am meisten für die Zukunft?“ fand ich einfach zu beantworten: Mehr zu tanzen! Und ich dachte mir, das ist wirklich für die nächsten 50 Jahre ein wertvoller Vorsatz.

In echter Workshopmanier musste man sich in Kleingruppen austauschen, und ich war mit Nadine und einer chinesischen Theater-Lehrerin aus Peking in einer Gruppe. Ich erzählte, dass ich ohne das Tanzen wohl das Medizinstudium nie hinbekommen hätte. Ein Wochenende barfuß tanzen hat mir die Energie und Kraft gegeben, unter der Woche konzentriert zu lernen. Und dass ich nach dem schriftlichen Staatsexamen an letzten Tag  aus dem Raum kommend mir die Kopfhörer aufgesetzt hatte und auf dem Hof getanzt hatte vor Freude – ich weiß noch wie mich alle anstarrten.

Die meinte nur: Dich sollten meine chinesischen Eltern mal kennenlernen, die wollen immer dass ihr Kind härter lernt damit es auch mal Arzt werden kann. Die müssten mal sehen, dass Tanzen dabei helfen kann!

Es war unmöglich den Tanzschritten von Vanessa Hart zu folgen, aber in unserer Kleingruppe mit nur 20 Teilnehmern hatten wir alle großen Spaß und ich bekam am Swimmingpool noch ein großes Lob von ihr für meinen Einsatz. Es hat riesig Spaß gemacht. Und wie ich auch mit Nadine wieder festgestellt habe: Ich habe nicht nur die wichtigsten Entscheidungen in meinem Leben beim Tanzen getroffen, sondern auch Nadine kennengelernt. Kein Zufall.

Mit einer netten Schweizerin, die wir mit ihrem 9 jährigen Sohn beim Kinderspace kennengelernt hatten und einer Freundin aus Deutschland, die zufällig auch auf dem Festival waren konnte ich dann auch noch anstoßen.

Dank Facebook, Facetime und dem Smartphone fühlte ich mich auch wunderbar mit der Welt verbunden und bekam den ganzen Tag über so liebe und herzliche Glückwünsche aus aller Welt. Als ich dann abends noch mit Nadine in unserem Pool unter dem Sternenhimmel schwamm, dachte ich auch nur: unglaublich.

 

Am nächsten Tag ging es dann weiter mit Acrobatic-Yoga. Man sieht, ich gebe mein Bestes:

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Wie immer wurden natürlich meine besten Kunststücke nicht verewigt. Aber ich hatte ein tolles Team mit einem Amerikaner und einer Russin, auf Crabi in Thailand leben. Abends sahen wir von den Profis auf dem Rasen tolle Kunststücke. Aber ich hatte auch viel Spaß und sage: Auch etwas für die nächsten 50 Jahre!

Zwischendrin war ich mit Morpheus und Velis ein mal in Ubud. Geld zu holen ist in Indonesien gar nicht so einfach, bei 17.000 Rupien pro Euro braucht man sehr viele Scheine. Sehr viele. Und wenn dann der Automat nur 500.000 Rupien als Maximum herausgibt, dann unterschreitet man die Mindestgrenze von 50 Euro, die Visa festlegt.

Wir fanden auch die Hang Drum, die ein Freund sich gewünscht hatte um sie nach Deutschland zu schicken, und auch noch den Arzt, der für Morpheus die U9 ausstellte. Ja, so ist das, schrieb mir der freundliche Herr der Charité, es gibt keine Ausnahme. Jedes Kind das in Berlin gemeldet ist muss die U9 nachweisen. Es gibt ein eigenes Formular für Kinder, die im Ausland sind. Wenn es nicht bis zum 6. April zurückgesendet wird, wird das Jugendamt eingeschaltet. Das wollten wir dann nach den Berichten des Bayern sensibilisiert dann doch nicht.

Das eingescannte und per Dropbox-Link vom Handy versandte Dokument wurde dann mit freundlicher Empfangsbestätigung durch die Charité entgegengenommen. Alles hat seine Ordnung.

Am Samstag war dann viel los auf dem Festival. Viele Schulkinder aus der Green School, der internationalen Schule in Ubud, wo auch die Schweizerin ihren Sohn jetzt hingeschickt hat. Und viele derer, die aus Europa oder USA kommend sich für kürzer oder länger in Bali zuhause fühlen und hier leben.  Und es gab endlich mal wieder schöne elektronische Musik zum Tanzen. Nadine meinte: Seit 7 Monaten das erste mal wieder gute Musik zum Tanzen! Wir fühlten uns ganz wie daheim oder auf dem Garbicz Festival, einfach herrlich. Nur dass die Tänzer noch etwas bunter gekleidet waren und noch besser tanzen konnten. Bis die Kinder wirklich nicht mehr konnten blieben wir und fanden es herrlich barfuß zu tanzen.

Zum Abschied am Sonntag dann noch ein ganz wunderbares Konzert mit Tina Malia. Bali Spirit – wir kommen wieder.

Und am Montag morgen schon auf zum Flughafen – Lombok, die islamische Nachbarinsel von Bali wartet.

 

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