Ankunft in Dhaka, auf dem Padma-Fluss und im Nordic Club

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17.02.2018, 23.15 Dhaka, Bangladesch.

Wir sind angekommen! Ein Flug in der Propellermaschine, eine Landung in Wasserlandschaften, Moskitoschwärme im Bus. 1000 Formulare für das Visa on arrival und Geld draußen zu holen. Nette Menschen schon bei der Grenzpolizei: „you have four kids, you have so much to do!! I feel with you!“ meinte ein junger Beamter zu mir.

Freude Knut zu sehen, im Stau vom Flughafen und ein toller Empfang mit Lichterketten über der Einfahrt im Diplomatenviertel und einem tollen Essen, bereitet von der netten Mitbewohnerin Sabrina, die als Fotografin mit Frauen in Textilfabriken arbeitet. Fühlt sich an wie daheim in der Fremde. Danke!

Am nächsten morgen gibt es frische Croissants, die wir mit ins Auto nehmen. Knut fährt uns. Es ist eine lange Fahrt durch die Stadt und hinaus aufs Land bis zum Padma-Fluss.

Es wird die erste Autobahn gebaut, noch ist die Straße nach Südwest nur eine einfache Landstraße, an jeder Kreuzung gibt es den Megastau, und obwohl es Freitag und damit im islamischen Bangladesch Feiertag ist, ist alles überfüllt. Das meiste sind uralte zerschrammte Busse und Fahrradrikschas, dazwischen Traktoren mit Ziegeln im Anhänger und Autos. Jeder überholt jeden bei jedem Stau und so gibt es kein vor und zurück weil jeder die Gegenfahrbahn zum vorbei fahren nutzen will. Wir üben uns in Geduld. Nach 3 Stunden haben wir es die 40 Kilometer aus der 17-Millionen-Metropole zum Fluss geschafft.

Und das ist nicht irgend ein Fluss. Ich gebe zu, ich hatte auch keine Ahnung. Nach Amazonas und Kongo ist der Padma der Wassermenge nach der drittgrößte Fluss der Welt.

Durch Zusammenfluss von Ganges und Bramaputhra transportiert er im Durchschnitt 30.000 Kubikmeter pro Sekunde. Für mich zum Vergleich: die Weser hat vor der Mündung 300 Kubikmeter pro Sekunde. Das ist hier also die hundertfache Wassermenge.

Oder das 30 fache des Rheins an der Mündung. Und das kann bis auf das Fünffache, auf 150.000 Kubikmeter pro Sekunde ansteigen bei extremem Hochwasser.

Es sind 6 bis 10 Kilometer bis zum anderem Ufer. Und hier ist auch die Baustelle der größten Flussbrücke der Welt. Erst mit dieser Brücke lässt sich der Südwesten des Landes und auch Indien von der Hauptstadt Dhaka aus ohne Fähre erreichen.

Hier kommt Knut ins Spiel. Als Wasserbau-Ingenieur hat er die letzten 25 Jahre bei großen Projekten überall auf der Welt mitgewirkt. Denn man braucht viel Erfahrung für ein solches Projekt. Damit der Fluss mit seinen gewaltigen Wassermengen nicht die Pfeiler unterspült, werden diese 120 Meter in die Tiefe getrieben. Und damit der Fluss in seinem Bett bleibt, muss das Ufer auf 20 Kilometer aufwändig befestigt werden. Über Wasser mit Beton, unter Wasser mit Sandsäcken. Denn dieser Fluss wandert und ändert sein Flussbett, und reißt damit regelmäßig ganze Ortschaften mit.

Wir steigen am Fähranleger in eines der Speedboote um, die mit dem 75kw-Motor uns auf den Fluss herausfahren. Jetzt steigt die Stimmung der Kinder schlagartig. Das Boot ist schnell. Wir fahren an unglaublich verrosteten und überfüllten Fähren vorbei. Draußen ist es herrlich, es riecht und fühlt sich an wie daheim in Sandstedt an der Unterweser, wo wir im Sommer immer Urlaub machen.

Nur geht der Fluss bis zum Horizont.

Dann sehen wir die Brücke. 2018 soll sie noch eröffnet werden, es wird mit Hochdruck gebaut. Die ersten 100 Meter langen Träger sind eingesetzt, oben soll eine vierspurige Straße laufen, darunter eine einspurige Eisenbahn in Meterspur und indischer Breitspur.

Und von Dhaka dorthin die Autobahn, meist auch auf Stelzen. Überall wird gebaut. Wir sehen: dieses Land ist ein Sumpf- und Wasserland. Und es ist im Umbruch. Die Häuser stehen auf Stelzen, Land wird durch Aufspülung mit Flusssand befestigt. Steine gibt es keine, es werden aber Ziegel gebrannt, auch Straßen daraus gebaut.

Am auf den Feldern wird mit Hand Reis umgepflanzt.

Wir fahren auch am riesigen Gefängnis-Neubau am Stadtrand vorbei. 17.000 Oppositionelle wurden von der Regierung verhaftet, da braucht man auch Zellen.

Auf der Rückfahrt halten wir bei Bruce aus Kanada an, der auch an der Brücke mitbaut und uns begleitet hat. Wir dürfen mit mit der Ausrede, kurz aufs Klo zu müssen mit in das umzäunt und bewachte Camp der Ingenieure. Heute ruht die Baustelle, es ist chinesischen Neujahrsfest. Und auch wie in Namibia sind es chinesische Baufirmen, die hier bauen.

Am nächsten Tag ruhen wir uns aus. Von einem Land, das auf Platz 8 der Bevölkerungszahl in der Welt liegt, mit über 160 Mio. Menschen, und an Platz eins der Flächenländer bei der Bevölkerungsdichte. 1250 Menschen pro m2 leben hier, das ist das Fünffache wie in Deutschland.

Und wir genießen die schöne Wohnung von Knut, besuchen den Nordic Club, wo es Wiener Schnitzel und Bier gibt in einem Land ohne Alkohol. Die Kinder springen Trampolin, es gibt viele blonde Kinder neben unseren und einen Swimmingpool. Wir lernen andere Deutsche kennen, die uns erklären dass Dhaka den Ruf hatte besonders familienfreundlich zu sein, dank guter Schulen und einer engen Community. Nach dem Anschlag auf die Holey-Bäckerei (dort kommen unser leckeren Croissants her)vor zwei Jahren zogen dann alle ab. Langsam kehren die Ausländer zurück. Aber die Straßensperren und Sicherheitskontrollen bleiben.

Ein netter Pastor spricht uns auf Deutsch an, er sei für Nordindien und Bangladesch für den Religionsunterricht und die Gemeinde zuständig und bietet Religionsunterricht für die Kinder an, am nächsten Tag.

So gab es heute morgen Weltreiseschule mit Geographie und Prozentrechnung und nach dem schwimmen und Trampolin springen (ja, Velis kann noch den Vorwärtssalto und Lysander den Rückwärtssalto) die Grundlage der evangelischen Religion vom Privatlehrer. Ein tolles Angebot, die Kinder finden es gut und machen eifrig mit.

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