And now you can relax in your hammock

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1.2.2018, Anjuna, Goa, India

„And now you can relax in your hammock“ meinte der junge Mann recht lässig, als er von der vierten Kokospalme wieder herunter geklettert war. Mit nichts als einen Sisalseil um die Füße und einem Messer am Rücken. Wir schauten nur mit stockendem Atem zu. Was für ein Beruf. Er hat es vom Vater gelernt. Michael erzählte, es wollten immer weniger diesen Beruf ergreifen. „No mistakes“ meinte Michael und erzählte, als Kind habe er einmal gesehen was passiert, wenn das Palmblatt an dem sich der Kletter festhält nicht fest ist. „It was just blood flowing out of his head“, meinte Michael.

Bei mir verbinden sich verschiedenste Gefühle und Gedanken miteinander: Respekt und Bewunderung vor einer Arbeit, einem Leben bei der jeder Schritt, jeder Griff fehlerfrei sein muss, ein Leben lang.

Was für eine Achtsamkeit. Und was für eine Verbindung mit der Palme: die Füße mit dem Seil bilden die eine Stütze, die Arme um den Stamm geschränkt die Andere. Schritt für Schritt geht es hinauf und hinunter. Und oben angelangt muss man sich mit den Füßen festgeklammerten, und dann das Messer greifen und über Kopf arbeiten. Jedes Blatt das fällt, jede Nuss darf einen nicht mitnehmen. Das Messer ist nicht gesichert. Auch der Kletter nicht. Die Technik mit dem Seil um die Füße ist sicher 5000 Jahre alt. Keine Veränderung. Keine Sicherheit.

Ich denke, wir einfach ein Haken wäre, eine Klettersicherung wie in Deutschland beim Baumklettern üblich. Es wird hier keine Vorschriften geben, aber auch kein Bewusstsein dass man Gefahren verringern könnte. Es ist eine Art Urvertrauen mit der gearbeitet wird. Faszinierend. Und zugleich etwas, was verschwinden wird. Es ist wie ein historischer Blick. Der zweite Arbeiter meinte schon: „Die Maschinen kommen“ Mit der Hebebühne geht es schneller und sicherer.

Wir sind erst einmal dankbar. Die letzten Tage fielen immer wieder Kokosnüsse in den Garten, eine an Morpheus vorbei der in der Hängematte hing. Sieht man was für ein Abdruck im Rasen entsteht bekommt man Respekt. Wir haben die Hängematte die letzten Tage gemieden. Jetzt, dank Michaels Hilfe und dem Kletterer, können wir die letzten Tage den Garten noch mal genießen und den Kindern schmecken die Kokosnüsse aus dem eigenen Garten besonders lecker.

Und zum Sonnenuntergang lassen wir die Kinder noch mal im Haus und gehen zum Curlies an den Strand. Es ist herrlich. Auf einem alten Buch sah ich, dass Strandabschnitt schon in den 70er Jahren der Ort war, an dem die Hippies ihre Parties feierten. Anjuna damals die Final Destination auf der „Morgenlandfahrt“ über Iran, Afghanistan und Indien.

Ich las auch, das Anjuna und der Hafen in Chapora schon im 6. Jahrhundert Handelsplatz war, Anlaufstelle der Araber und deren Tor nach Indien. Man spürt es, dieser Ort war schon immer ein Treffpunkt der Kulturen.

Jetzt sieht man junge indische Frauengruppen in Shorts und T-Shirt beim Selfie am Strand die mit den Händen Love schreiben. Ich freue mich und denke mir, was für ein Unterschied zu vor 20 Jahren als ich das erste Mal hier war. Unvorstellbar damals. Goa ist voller indischer Touristen diese Tage, und in Anjuna sind es eher die mit Tattoo und der Einstellung wie auf der Reklame am Straßenrand: „make memories you can’t tell mom and dad!“

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