31. Januar 2018, 21.08. Uhr, German Bakery, Anjuna, Goa, India

Wir brechen auf, zur German Bakery. Es ist Konzertabend, wir haben einen Tisch reserviert. Fleemarket day. Mit den drei Jungs auf der Enfield geht es wieder das Labyrinth durch die Nacht. Vorbei an den Steinen auf dem Weg, in engen Slalom um die Palmen, immer eine Gleichgewichtsübung. Es ist schwer das Bike aufrecht zu halten wenn ich in der Kurve mit Schrittgeschwindigkeit einen Kuhfladen oder einer Kokosnuss ausweichen muss. Dann an der kleinen Kapelle vorbei, es riecht nach verbranntem Müll, wie immer abends. Zeit des Einrräucherns der einen oder anderen Art. Daheim mit Kohle und Weihrauch von Carmin in der Tonschale, einmal durch die Wohnung und auf den Balkon um die Moskitos zu vertreiben.

Draußen der Müll. Blätter und Plastik, alles was brennbar ist. Unverwechselbar indisch.

Zwischen den hockenden Frauen durch auf den Fleemarket. Dort wird abgebaut. Ein gewaltiges Chaos. Ein indischer Kleinlaster auf Tata-Nano-Chassis, eher Tuktuk als Auto nach dem anderen versucht durch die eine Straße durchzukommen, auf der auch noch Händler, Fußgänger und Tiere unterwegs sind. Mit Vertrauen und Erfahrung kommt man da gut durch. Für Unerfahrene ist es unvorstellbar da durchzukommen. Dann die Abkürzung durchs „Gemüse“ wie es Nadine nennt, ein Trampelpfad auf und ab durch Wildnis und an Häusern vorbei, die Abseits liegen. Man muss mit Gegenverkehr und Tieren rechnen. Immer mit Hunden, die gerne bellen. Und mit Kühen, meistens mehrere. Wir kommen gut durch.

Über uns ein erstaunlicher Anblick, Morpheus sieht es zuerst: eine Mondfinsternis. Ganz langsam schiebt sich die Erde wieder am Mond vorbei und der Mond wird wieder sichtbar. Als wir ankommen in der German Bakery an unserem Stammplatz mit Krishna (Velis: ich mag ihn nicht, ich mag lieber Shiva!)

ist die Sichel schon viel größer geworden. Es ist Konzert mit Zauberkünstler und Akrobat Jyoti mit dem Ensemble Tetouze (Elektro Worldwide Groove) und Tänzerin Roksana.

Tara kommt von Nadine geschoben mit dem Kinderwagen nach. Sie wollte doch noch mit, das Fieber lässt nach und sie kommt wieder zu Kräfte . Langsam. Aber spürbar. Fast zwei Wochen war sie richtig krank. Eine böse Virusgrippe, mit Fieber über 41. Tara brauch Mama und macht es sonst tapfer. Nach 5 Monaten so viele Länder, Eindrücke und Menschen mit 2 1/2 Monate Kita von 9 bis 4 in fremder Sprache nimmt sie sich die Zeit sich ganz zurückzuziehen. Und nur mit Mama und Papa zu liegen, malen, spielen, schlafen. Ich habe vollstes Verständnis für sie und erinnere mich an meine Kindheit in Peru und wie ich auch lange Krankheitsphasen hatte, wo gewöhnliche Virusinfekte ewig dauerten. Das Wichtigste ist es für mich den Kindern die Zeit zu geben und Geduld zu haben. Ihr geht es jeden Tag besser, aber sie möchte bestimmt noch nicht wieder in die Kita. Wir werden sie daheim lassen bis wir wieder losfahren.

Lysander schließt neue Freundschaften. Ein Junge aus Deutschland dessen Eltern in Assagao leben lädt ihn ein. Er durfte sogar ein Moto-Cross Bike im Garten fahren. Abenteuer.

Ich gehe sogar mal wegen meiner Hüfte zur Osteopathin Haeather. Eine Kanadierin, die mit ihrem Mann aus London mit ihrem zwei Kindern vor zwei Jahren nach Goa gezogen sind. Ein schönes Haus in Assagao im Grünen. Eine tolle Behandlung. Wo bekommt man für 20 Euro in Berlin oder London eine Stunde beim Osteopathen? Ich werde die letzten Tage noch nutzen. Bekomme Übungen um die Muskeln zu stärken.

Und morgens weiter Yoga. Werde erleichtert und stolz sein wenn ich da fertig bin, jeden Morgen dort gewesen die letzten Monate.

Schule steht an. Recherche, Zeugnisse, Anmeldung. Lysander ist ja nach der Heimkehr 7. Klasse. Wir erfahren von den Freunden daheim das es auch ein Thema daheim ist. Es ist fern und nah zugleich ein Thema. Ich bin stolz auf die Kinder, wie sie es alle hier in der Yellow School gemeistert haben.

Im Hintergrund hört man wieder den Bass. Wir sind in Anjuna, hier hört man eigentlich immer Techno jede Nacht. Dazwischen das Gebell der Hunde. Und die Grillen zirpen.

Es wird auch heißer. Mehrfach am Tag duschen hilft. Auf dem Bike ist es angenehm.

Der Aufbruch kommt näher. Bei jedem Sonnenuntergang auf der Veranda denke ich es. Abschied. Eigentlich will man nicht weg. Aber das Visum läuft aus, und die Welt wartet darauf weiter entdeckt zu werden. Und Nadine und ich lieben Aufbrüche.

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