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Dienstag, 2. Januar 2018, 8.17 Uhr, auf der Veranda in Sami Beach Huts, Agonda, Goa, India

Ein letzter heißer Milchkaffee morgens auf vom netten Owner auf die Veranda gebracht. Und bei den ersten Sonnenstrahlen über der Brandung und dem Blick auf den friedlichen Strand und das blaue Meer noch einmal diesen wunderbaren Ort genossen. Über zwei Wochen waren wir an diesem Idyll, und ich habe Agonda definitiv in die Liste der Orte aufgenommen, an die ich gerne zurückdenken werde und die ich noch einmal besuchen will.

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Wie entspannt es hier war merkt man sogar daran, wie wenig ich im Blog geschrieben habe. Es war sozusagen Urlaub auf der Weltreise. Und eine Weihnachtszeit mit Freunden und Familie. Wir hatten das große Glück, hier in der Ferne uns mit unseren Freunden aus Berlin zu treffen. Der Familie meines Vetters und gemeinsamer Freunde, die Agonda schon seit langer Zeit kennen und deren Vorschlag, uns hier auf der Reise zu treffen wir gerne angenommen haben. Schließlich stieß auch noch meine Schwester mit Familie hinzu, die mit uns jetzt Sylvester verbracht haben und heute mit uns die 80 Kilometer nach Anjuna zurück fahren werden.

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So waren wir eine große Gruppe, und bis zu 9 Kinder von 2 bis 12 bildeten eine ideale Gemeinschaft, um abends am Strand vor dem Restaurant Bannemann zu spielen und sich in der Dunkelheit im Sand zum Lager anzuschleichen und die Gefangenen zu befreien.

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Oder in den „Badewannen“, den flachen Uferstellen herum zu plantschen, mit den beiden Surfboards in den Wellen sich treiben zu lassen.

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Ganz vorne dabei Tara mit Schwimmflügeln und Morpheus mit seinem Weihnachtsgeschenk, der Schwimmweste, mit der er sich selbst in die größten Wellen traut.

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Die Erwachsenen verbringen den Tag mit morgendlichem Joggen oder einfach auf der Veranda sitzen, im Meer baden, manche machen Yoga am Strand, andere einen Spaziergang die Bucht entlang.

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Abends vor Sonnenuntergang machte die größere Kinderschar mit beim Pilates, welches unser freundlicher Nachbar, ein Hamburger, der als  Life Coach in Cape Town arbeitet am Strand immer auf Spendenbasis anbot. So gab es oft drei Gruppen: Rechts Pilates, in der Mitte Yoga, und Links Meditierende. Und manche einfach ganz entspannt auf der Decke bei einem Bier.

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Das Leben so einfach wie es nur sein kann: kein Wohnmobil zu bewegen, keine Fahrt zur Schule, einfach nur morgens aus der Hütte treten und im Sand stehen. Lysander schlief wieder die meiste Zeit in der Hängematte draußen, auch Velis legte die noch im Nachbarort Chaudi erworbene indische Matratze meist nach draußen, um bei seinem Bruder auf der Veranda mit Wellenrauschen zu schlafen.

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Am Strand kommen immer die weißen Pferde vorbei, zur besonderen Freude der Kinder. Und wenn einem langweilig ist geht man einfach auf die kleine Dorfstraße hinter den Hütten und kann dort in den Buden fehlende Weihnachtsgeschenke, Laternen oder ein Kleid kaufen.

Es ist ruhig, wenig Musik wird gespielt, abends ist meist Stromausfall und so ist der Kerzenschein mit seinem gemütlichen Licht Teil der Inszenierung. Dazu steigen immer wieder Laternen auf, die man auf der Straße für einen Euro kaufen kann. Auch wir lassen an Weihnachten und Sylvester diese Lampions steigen, was gar nicht so einfach ist – viele schaffen es nicht hoch oder brennen schon beim Start ab.

Die Kinder geben den Hunden neue Namen und freunden sich mit ihnen an; deren Aufgabe oft einfach darin besteht die heiligen Kühe am Strand zu vertreiben. Abends sieht man die Fischer aufs Meer hinausfahren, und wenn man Glück hat kann man eine Gruppen Delfinen beobachten, wie sie in Strandnähe aus dem Wasser springen. Die Kinder fuhren mit den Frauen eine Bootstour den Fluss hinauf ins Land hinein.

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Agonda ist ein Idyll, ein Indien für die Postkarte. Der Strand ist blitzsauber, und noch ist vom Massentourismus wenig zu spüren. Seit ich vor 15 Jahren hier war, hat sich allerdings schon viel geändert, aus ein paar Häusern und Hütten am Strand sind viele geworden. Und hinter dem Ort, keine 5 Kilometer weg, ist die Baustelle der NH 66. Auch Indien kommt in der Moderne an und baut Autobahnen – auf 60 Meter Breite soll sie von Bangalore bis Mumbai die 1000 Kilometer zwischen den beiden Millionenstädten verbinden. Goa liegt genau in der Mitte. Die Verkehrsprognose sieht hier bis 2030 den Bedarf für eine sechsspurige Autobahn. Und Agonda hat dann die eigene Autobahnabfahrt.

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Es ist immer noch das Ziel der Überlandfahrer  – auch bei uns im Resort trafen wir einen Deutschen, der 16.000 Kilometer mit dem Motorrad hinter sich hatte, die klassische Strecke über Iran und Pakistan. Er konnte viele Abenteuer berichten.

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Wir hatten nur mit allen drei Familien einen Roller, und ich habe die wenigen Ausflüge wie zum Feuerwerk kaufen mit den Kindern mit einer Rikscha gemacht. Immer noch für die Kinder die größte Freude.

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Es ist eine besondere Situation, so weit weg und so lange schon unterwegs zu sein. Über vier Monate liegen hinter uns, über 7 Monate noch vor uns. Und wo die meisten nach Neujahr wieder nach Hause müssen, liegt bei uns noch ein großer Teil der Welt vor uns. Es ist ein Glücksfall, ein Privileg, für das ich sehr dankbar bin. Aber es ist auch kein Zufall – ich wollte seit ich Kind war immer reisen, lange reisen, und ich wusste immer, ich werde weiter reisen, was auch immer im Leben kommt. Und entsprechend habe ich mein Leben immer eingerichtet und war vorbereitet, wenn sich die nächste Möglichkeit geboten hat.

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Und so waren diese Tage in Agonda auch eine Chance, aus dem Abstand heraus das eigene Leben neu zu betrachten. Was kann man sich noch wünschen, wenn man so viel schon bekommen hat? Was ist wichtig, wenn man so im Überfluss leben darf, von so vielen Seiten so beschenkt wird?

Wir hatten eine Hütte mit Doppelbett zu sechst, das war noch mal eine Reduktion auf das Wesentliche. Die Kinder haben es am Besten gemeistert, sie fanden sich mit einem Platz auf dem Boden zurecht und der auf dem Markt gekauften rollbaren Zusatzmatratze für 10 Euro. Auch daran kann man sich gewöhnen, und für mich bleibt das morgendliche Aufwachen mit dem immerwährenden Sonnenschein und dem Strand vor der Tür ein Genuss, der kaum zu überbieten ist.

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Was ist wichtig, was ist wesentlich? Klar, für jemand wie mich der es seit langem gewohnt ist sich konkrete Ziele zu setzen und die Ruhe und den Schwung der Tage zwischen den Jahren zu nutzen, auf das vergangene Jahr dankbar zurückzublicken und mich auf das Neue zu freuen – für mich ist es klar dass ich auch das neue Jahr mir viel vornehmen werde. Schließlich haben wir die einmalige Chance die Welt zu sehen und das werden wir auch tun. So werden die nächsten Reiseziele konkreter, erste Flüge gecheckt und es schärft sich langsam das Bild, was wir mit den kommenden 7 Monaten anfangen wollen. Bangladesch, Thailand, Kambodia, Vietnam, Bali, Australien, Hawaii, USA und Südamerika mit Peru und Kolumbien liegen derzeit hoch im Kurs. Am Ende müssen die Flüge bezahlbar sein und das Wetter mitspielen. Aber zu lange werden wir auch nicht mehr warten, weil es für die supergünstigen Flüge nach denen wir einfach ausschauen müssen auch einen richtigen Zeitpunkt gibt.

Vor allem aber hatte ich eine Einsicht, eine Einsicht was für mich für meine zweite Lebenshälfte, die ja auch dieses Jahr beginnen wird wichtig ist. Ich will den Kontakt zu den Menschen intensivieren, denn nichts macht am Ende die Würze des Lebens mehr aus als mit Menschen die einem wichtig sind nah zu sein und Beziehungen auf- und auszubauen und zu pflegen.

Wir leben in einer großen Welt mit großen Möglichkeiten, und können ein weltweites Netz an Beziehungen aufbauen. Es wird immer darauf ankommen, dass sie mit Bedeutung und Aufmerksamkeit gepflegt werden. Und es ist auch das Gebiet, das sehe ich klar, wo ich noch am meisten lernen kann. Es scheint ja gerade das Geschenk dieser Zeit zu sein, dass sich die Fragen des Alltags lösen lassen und dadurch eine Freiheit entsteht, die aktiv genutzt werden kann.

Ich freue mich auf das kommende Jahr und auf die kommenden 50 Jahre meines Lebens – und intensive Momente, Tage und Zeiten mit den Menschen, die bei mir eine Resonanz auslösen und für die ich so viel empfinde und mit denen ich viel teilen möchte.

Wie bei den Nerven in unserem Gehirn sind es die Verbindungen und der Austausch, der an den Verbindungen stattfindet, wodurch alles entsteht was für uns wichtig ist. Dies gilt im Kleinen wie im Großen, und ich glaube daran dass auch hier die Möglichkeiten unbegrenzt sind.

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Am Ende aber ist es immer der eine Mensch, auf den man sich gerade fokussiert der wichtig und wesentlich ist. Und die Kunst liegt darin, hier vollen Einsatz zu zeigen und sein Bestes zu geben. Ich freue mich weiter darauf.

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2.1.2018, 14.33, im Taxi unterwegs nach Anjuna

Ein Moment voller Glück und Dankbarkeit. Wir alle im Taxi, ich mit Morpheus hinten. Das Gefühl der großen Freiheit. Wir fahren nicht nach Hause, wir ziehen weiter um die Welt. Jetzt wieder nach Anjuna. Alle dabei. So herrlich hier hinten auf der Matratze in der dritten Sitzreihe zu liegen.

2 Replies to “Abschied von Agonda”

  1. Sitze auf dem Bosen hinter der Wohnungstür und lese Deinen Artikel. Bin ganz bewegt und erfreut und, ach, denke an Euch. Liebe Grüße aus dem kaltenkalten Hamburg.

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