Die globale Energiewende ist eingeleitet

Freitag, 1. Dezember 2017, 10.14 Uhr, La Plage Restaurant, Ashwem, Goa, India

China wird dieses Jahr 50 GW= Gigawatt, also 50 Milliarden Watt an Solarenergie montieren. Das sind 500 Millionen 100 Watt-Panels.

Ich mag gute Nachrichten. Diese Nachricht löst bei mir Euphorie aus. China hat in den letzten 10 Jahren jedes Jahr doppelt so viele Solarpanels montiert wie im Vorjahr. 100% Wachstum im Jahr. Wer sich noch an das Schachbrett und die Reiskörner erinnert, weiß dass so ein exponentielles Wachstum in nur 10 Jahren zum 1000fachen des Ausgangswerts führt. In 20 Jahren zum Millionenfachen.

2017 werden 50 GW an Solarpanel-Leistung neu montiert. Das ist mehr alle anderen konventionellem Stromerzeuger auf der ganzen Welt zusammen, sei es Kohle, Gas, Öl,

Kernenergie.

50 GW, das produziert so viel Strom wie 5 Kernkraftwerke. In einem Jahr montiert. Das passiert, weil der Preis pro kwh Solarstrom mittlerweile unter 2 Cent liegt. Auch Wind hat ähnlich günstige Kosten. Die letzten Versteigerungen in Saudi-Arabien und Mexiko bekamen Zuschläge für unter 2 Cent. Mit Sonnenenergie. Wind liegt knapp dahinter bei 2,2 Cent. Auch Saudi-Arabien setzt jetzt auf regenerative Energien.

Mit keiner konventionellen Kraftwerkstechnik kann Energie so günstig erzeugt werden. Wenn man 10 bis 20 Jahre mit ähnlichen, auch abgeschwächten Wachstumsraten in die Zukunft schaut, dann kann die gesamte Weltenergieproduktion durch regenerative Energien gedeckt werden.

Damit ist der Durchbruch geschafft. Die Energieprobleme, vor allem aber die Probleme der CO2-Erzeugung der Welt sind gelöst. Es wird auf Sonne und Wind umgestellt werden. Die Entwicklungen gehen so schnell, dass es die Meisten es nicht einmal mitbekommen. Einige Länder werden etwas länger brauchen. Aber die Technik entwickelt sich viel schneller als unsere Vorstellungskraft.

Wer hätte vor 10 Jahren vorhergesehen, dass die Welt mit einem globalen Mobilfunk-Datennetz überzogen ist und Milliarden Menschen einen Computer in der Tasche tragen, der leistungsfähiger ist als ein Supercomputer vor 20 Jahren? Vor gerade 10 Jahren wurde das Iphone eingeführt.

War es beim Iphone eine amerikanische Erfindung, die in China gebaut wird, waren es beim Solarpanel die Deutschen, die die „Software“ entwickelt haben. Hier war es ein gesteuerter Marktanreiz, eine Anschubfinanzierung. Es war eine intelligente Idee, eine gute Gesetzgebung. Auch hierfür sollte es eines Tages den Nobelpreis geben.

Es war Deutschland mit der hohen Subvention der Solar-Stromerzeugung, die als Anschub für die Chinesen funktioniert hat. Erinnern wir uns noch? Fast 50 Cent pro kwh bekam man, wenn man sich ein Solarpanel aufs Dach stellte. Es schien absurd. Es hat den deutschen Stromverbrauchern Milliarden gekostet. Diese waren aber in die Zukunft investiert. Es hat funktioniert.

Denn erst durch die hohen Stückzahlen durch die deutsche Nachfrage und den harten Wettbewerb der Produzenten sind die Preise für Solarpanels so stark gesunken, dass sie heute nur noch bei 600 Euro pro KW installierter Leistung liegen. Vor 10 Jahren war es das 10fache. Wir haben also die weltweite Energiewende entscheidend angetrieben.

Die nächste Frage lautet also: Wer wird die Netze bauen und managen, um den Strom weltweit zu verteilen? Wer die Anwendungen entwickeln, die man mit dieser technologischen Revolution erzeugen kann? Es wird wieder um die guten Ideen und die technische Produktion gehen. Apple zeigt es, dass man die wertvollste Firma der Welt werden kann, ohne dass man selbst irgend etwas herstellt. Man muss die richtigen Ideen haben.

Damit ist auch die Ausgangslage für Deutschland hervorragend. Es kommt jetzt darauf an sie zu nutzen. Und keinen Cent mehr in Kohle-Subventionen oder Siemens-Gas Turbinenproduktionen die keiner mehr braucht zu stecken. Sondern in die Energie-Zukunft. Von Deutschland und der Welt. Und den globalen Umweltschutz.

Wir können Wetten abschließen, was als Nächstes in der Planung der Chinesen steht. Was macht man, wenn man Strom praktisch umsonst gewinnt? Man wird alles auf Strom umstellen. Es ist vollkommen klar, dass elektrische Fahrräder, Motorräder, Autos, Schiffe, Flugzeuge kommen werden. Manches langsamer, manches schneller. Das Fahrrad, das Motorrad und das Auto sind marktreif. Tesla versucht, hier der Apple zu sein. Wer ist Samsung? Was machen die Deutschen?

Es geht einzig um die Frage, wann der „tipping point“ erreicht ist, wann bei den Batterien die Stückzahlen so hoch sind und der Preis so gefallen, dass es sich nicht mehr lohnt Verbrennungsmotoren einzubauen. Ich denke, wir stehen nur noch wenige Jahre davor. Bei den Kohle- und Gaskraftwerken ist der Punkt errreicht. China und Indien stornieren bereits hre geplanten konventionellen Kraftwerke und setzen auf Wind und Sonne.

Die größte Herausforderung wird die intelligente Verteilung, Speicherung und flexible Steuerung von Erzeugung und Verbrauch sein. Das ist eine super spannende Aufgabe. Die Startups weltweit sitzen in den Startlöchern. Aber auch die Riesen, wie der staatliche Chinesische Netzbetreiber, die nicht umsonst neu Büros in Berlin und San Francisco eröffnen und versuchen, die besten Spezialisten abzuwerben.

Optimismus und Aufbruchstimmung – das ist angemessen. Es liegen aufregende Jahre vor uns. Die sowohl die drängenden Umweltprobleme lösen werden als auch neue technische Revolutionen vorantreiben werden. Die Energieerzeugung ist nur ein Beispiel dafür. Es gibt viele. Ich freue mich auf die Zukunft und die Zukunft meine Kinder.

Warum begeistert mich das so? Weil die Frage der nachhaltigen Energieproduktion einer der Fragen war, die mich seit meiner Jugend beschäftigen. Schon unsere Biolehrer hat uns die Kurve des C02-Anstiegs im Jahre 1982 aufgezeichnet. Und seit Tschernobyl im gleichen Jahr wusste ich sicher, die Kernenergie wird keine Lösung sein.

Viele glaubten ja, es ginge langfristig nur als Menschheit zu überleben, wenn wir unser Verhalten radikal ändern.

Doch ich glaube, das wird nicht geschehen. Es wird nicht funktionieren. Ich war selbst radikaler Umweltschützer in meiner Jugend. Aber ich habe dazugelernt dass dies nie eine Mehrheitsposition sein wird. Und eine Ökodiktatur ist keine Option. Ich habe einfach nur mich angeschaut. Bessere Technologien nutzen? Ja. Vieles ist besser und macht Spaß. Radfahren, vor 200 Jahren in Deutschland erfunden ist ein Wunder an Effizienz, es überbietet alles was die Natur sich in Milliarden Jahren hat einfallen lassen an Energieeffizienz. Aber wir wollen auch mehr. Und das wird sich nicht ändern.

Spätestens seit ich das erste Mal den Winter im Süden verbracht habe wusste ich, man wird die Fernreisen den Menschen auch nicht abgewöhnen. Auch nicht tausend andere Errungenschaften der Moderne. Noch weniger wird man es anderen verbieten können uns nachzueifern. Wir müssen also nachhaltige Lösungen finden. Daran habe ich immer geglaubt. Und auch daran, dass die Fähigkeiten des Menschen erstaunlich sind.

Ich war in den 80er Jahren pessimistisch. Habe Global 2000, den Umweltbericht an die Regierung Carter gelesen, die großen negativen Utopien von Orwell, Huxley, Samjatin. Es schien alles aussichtslos. Doch irgendwie kam alles anders. Plötzlich kollabierte die Sowjetunion, die Mauer fiel. Die Apartheid auch. Es gab eine Aufbruchstimmung. Und auch ich brach auf, weg aus Schwaben und in die weite Welt. Und gewann neuen Optimismus.

Aber die Energiewende war das Thema seit meiner Jugend. Wir werden es erleben, habe ich immer geglaubt. Es gibt genug Sonne und Wind, wir müssen nur lernen sie zu nutzen. Jetzt bin ich sicher. Es wird gelingen.

Und das ist nur ein Beispiel. Der Mensch schafft durch sein Wachstum Probleme, aber er schafft es auch sie zu lösen. Und der Weg lohnt sich. Es ist nur ein Übergang, in dem wir lernen alles so zu verbessern dass es langfristig und nachhaltig funktioniert. Es kann auf der Erde nichts verloren gehen. Also gibt es auch keine Knappheit an Ressourcen. Die Sonne scheint noch Milliarden von Jahre und bietet Energie. Alles weitere ist eine interessante Aufgabe. Und Menschen lieben Herausforderungen.

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