Betrachtungen über den Wolken

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Mittwoch, 15. November 2017, 10.50 Uhr, im Emirates Flieger nach Dubai

Emirates ist eine besondere Flugerfahrung. Die Kinder bekommen nicht nur Geschenke, es wird auch ein Foto mit der Sofortbildkamera gemacht und ihnen in einer Grußkarte übereicht.  Überraschung! Tara bekommt ihr Menü persönlich zuerst serviert: „Miss Tara“. Das Unterhaltungsprogramm ist außerordentlich umfangreich. Und der Flieger ist halbleer, weil Emirates als einzige Fluggesellschaft der Welt nur auf Großraumjets setzt. Sie fliegen 100 Airbus A 380 und 150 Boeing 777, und sonst nichts. Und die Freundlichkeit der Crew ist nicht mehr zu überbieten.

Ein ehrgeiziges Konzept für die nächste Stufe der Globalisierung. Noch ist nicht sicher, ob sich der Plan durchsetzt – keine andere Fluggesellschaft kauft den europäischen Super-Jumbo in großer Stückzahl, und so wird bei Airbus diskutiert, die Produktion einzustellen.

Aber Emirates setzt darauf, dass es von Dubai aus die ganze Welt nonstop bedienen kann, und der Flughafen Dubai soll eines der größten Drehkreuze der Welt werden, mit geplanten 90 Millionen Passagieren im Jahr 2020. Und natürlich lassen sich mit größeren Flugzeugen mehr Passagiere über die enger werdenden Startslots transportieren. Südafrika-Dubai mit der Boeing 777 mit bis zu 428 Passagieren ist aber jedenfalls noch nicht ausgelastet, ich bin gespannt wie es mit dem Airbus A380 mit 615 Sitzplätzen aussehen wird, den wir nachher von Dubai nach Mumbai fliegen.

Ein entspannter Flug. Wir sind schon viel routinierter als bei den ersten Flügen, und auch die Kontrollen und das Einchecken liefen problemlos ab. Wir hatten ja die vorgeschriebenen Geburtsurkunden der Kinder noch einmal von der Cloud heruntergeladen und in besserer Auflösung im Hotel ausdrucken lassen, so gab es bei der Ausreise auch keine Probleme. Eine absurde Vorschrift, die ich aus keinem Land der Welt kenne. Für mich ein Zeichen, wie irrational die Regierung von Jacob Zuma handelt. Den Tourismus mit Kindern zu einer Bürokratie-Tortur werden zu lassen, kann keinen Sinn für ein Land wie Südafrika machen.

Nur unser Gepäck hat weiter zugenommen, jetzt sind es neun Gepäckstücke. Es wird immer mehr, vor allem weil die Kinder Bälle, Styropor-Surfbretter und Sandspielzeug bekommen haben und wir auch unsere übriggebliebenen Nahrungsmittel mitgenommen haben.  So sind alle drei Ortlieb-Transportsäcke jetzt im Einsatz.

7000 Kilometer mit dem Wohnmobil liegen hinter uns. Wir haben auch die letzten 600 Kilometer noch gut an einem Tag geschafft, und Johannesburg machte ganz anders als Kairo den Eindruck einer relativ modernen Großstadt auf uns. Die Kinder waren erstaunt, so viele Autos zu sehen und Stadtautobahnen mit 5 Spuren pro Richtung. Wir haben einen Tag gebraucht, das Wohnmobil auszuräumen, Ordnung in unser Gepäck zu bringen und den Wagen abzugeben.

Mit unserer Vorgeschichte war klar, das ganze Thema lässt sich nicht vor Ort erledigen, ich bin gespannt ob wir wirklich wie versprochen überzeugt werden, dass wir noch einmal bei MAUI buchen. Der Manager müsse jetzt entscheiden, wer die Kosten aller Ersatzreifen, Reparaturen und der Ausfalltage für uns trägt, hieß es. Die Erklärung war einfach: Hier in Johannesburg wäre das niemals passiert, über die Station in   Windhoek/Namibia gäbe es leider viele, viele Beschwerden.

Die letzte Nacht in Afrika blitzt und donnert es, und es regnet in Strömen, bis morgens am Flughafen noch. Wir freuen uns für Südafrika, dass ja die ganze Zeit mit Wasserknappheit zu kämpfen hatte, da es zu lange zu wenig geregnet hatte.  Und alle freuen sich auf Indien und darüber, dass wir die drei Monate in Afrika so gute Erfahrungen gemacht haben.

Am Flughafen sehe ich einen Buchladen, ausgestellt sind Bestseller eines Richard Templar: The Rules of Management. Er deckt gleich mit weiteren Büchern alle Themen ab: Love, Parenting, Work, Life, Wealth. Ich mag ja solche Bücher, und lese mal kurz herein. Praktische, einfache Regeln, pro Seite eine. Ich bin ja überzeugt: Würden die meisten Menschen solches Grundlagenwissen lesen und anwenden, wären viele Probleme der Welt gelöst.

Es geht voran auf der Welt, daran besteht kein Zweifel. Auch Südafrika hat einen guten Eindruck auf mich gemacht. Sicher, die Probleme sind gewiss noch groß, und manche erscheinen unüberwindbar. Aber Vieles ist bereits auf einem für Afrika erstaunlich hohem Niveau. Die Straßen sind gut, sie werden ausgebaut. Es liegt kein Müll herum wie etwa in Indien. Die Siedlungen der weniger Wohlhabenden sind meist schon ordentlich gebaut, nur um Johannesburg sieht man dann doch auch 30 km außerhalb Wellblechhütten, die ohne Plan, Wasser und Strom errichtet wurden. Das ist aber die Ausnahme.

Sicher, die Kriminalität ist ein großes Problem, und wie überall in Afrika, aber auch in Lateinamerika ist die Mordrate viel höher als bei uns. Wie meistens werden es die jungen Männer sein, wie auch bei den Unfällen im Straßenverkehr, die zu viele Menschen vorzeitig sterben lassen. Aber würde man eine Statistik der Todesursachen aufführen, so belegen natürlich Krankheiten die vorderen Plätze, nicht unnatürliche Tode, und die Lebenserwartung steigt, wie überall auf der Welt.

Vor allem seit es für Aids wirksame Medikamente gibt und sich zumindest ein gewisses Bewusstsein für die Ursache dieser Krankheit gebildet hat. Immerhin liegen wie auch in Namibia in allen öffentlichen Toiletten, an der Hotelrezeption etc. kostenlose Kondome aus. Wichtig, denn die ja schon aus der Wahrnehmung verdrängte größte Katastrophe Afrikas war und ist die Aids-Epidemie, die hier Millionen Menschen getötet und Kinder zu Waisen hat werden lassen.

Im Economist dieser Woche ist ein Schwerpunkt Afrika und Technologie. Kaum zu glauben, aber über die Hälfte der Afrikaner hat immer noch keinen Zugang zu Elektrizität. Hier wird es durch den technologischen Fortschritt die größten Potentiale geben, denn es wird sich nie lohnen, die fernen Dörfer in den riesigen Ländern mit Stromleitungen zu versorgen. Ein Haushalt anzuschließen kostet etwa das Jahreseinkommen eines Afrikaners, um die 4000 Euro. Dagegen sind Solarpanels und Batterien schon für 100 Euro aufwärts zu bekommen, und beginnen bereits den Alltag zu verändern. Aber wir stehen hier ganz am Anfang.

Neubausiedlungen für Arme haben bereits den Solarkollektor für Warmwasser auf dem Dach. Es ist bedauerlich, dass dies immer noch die Ausnahme ist und man in der Regel Strom oder Holz verwenden, um Warmwasser zu erzeugen, in Ländern wo schon eine schwarze Tonne genügt um das Wasser auf angenehme Temperatur zu erwärmen.

Wir haben in Südafrika die ersten Windkraftwerke und Solaranlagen gesehen. Und in Südafrika wenden die Obstplantagen die wassersparende Tropfenbewässerung über verlegte Mini-Schläuche an, die nur die Wurzeln des Strauches mit Wasser versorgen, nicht aber das ganze Feld mit dem Unkraut dazu. Ich erinnere mich genau, wie ich vor über 30 Jahren beim Schüleraustausch in Israel mir die Schüler im Kibbuz Afikim diese dort bereits hergestellte Technik auf den Feldern zeigten, mit der man den Wasserverbrauch radikal reduzieren kann. Es ist nicht kompliziert, es sind nur zusammensteckbare Minischläuche mit Ventilen und Düsen. In Ägypten war davon nichts zu sehen, vermutlich auch in den meisten Ländern Afrikas noch nicht, auch wenn dort Wasserknappheit herrscht.

Es sind die Chinesen, die groß in Afrika investieren. Sie haben sich die gewaltige Summe von 1000 Milliarden Dollar vorgenommen, um die Infrastruktur Afrikas zu modernisieren. Und man sieht das Ergebnis. In Namibia und Südafrika wurden die alten Kapspurgleise mit 1067 mm Spurbreite wieder hergerichtet, und gewaltige Güterzüge fahren auf dieser erstaunlich leistungsfähigen Schmalspur.

Es wird funktionieren, davon bin ich überzeugt, denn natürlich schafft China sich so neue Absatzmärkte und sichert sich Rohstoffquellen, und die bald 1 Milliarde Afrikaner sind ja die einzige Region auf der Welt, deren Bevölkerung noch deutlich wachsen wird, mit noch vier statt zwei Kindern oder weniger pro Kopf wie im Rest der Welt.

Der Kleinbus, der uns vom Hotel zum Flughafen brachte sah exakt aus wie ein VW oder Mercedes Sprinter, war aber ein SAIC Maxus. Ich habe noch nie etwas von dieser Firma gehört, der Shanghai Automotive Industry Corporation, aber sie verkaufen wohl schon 25 Millionen Fahrzeuge im Jahr.

Platz gibt es auf jeden Fall, das ist klar. Auch in Südafrika fährt man stundenlang durch menschenleere Gegenden. Die Herausforderung wird sicher in der Ernährung und Versorgung mit Wasser, Strom, Verkehr und Internet liegen, sowie die Bildung sicherzustellen. Und natürlich darin, stabile politische Verhältnisse zu erzeugen. Aber, wie der Economist auch schreibt, es ist kein Wunder dass die Kriege noch immer dort stattfinden wo es an all dem mangelt  – Südsudan, Zentralafrikanische Republik, Somalia. Ohne Strom und ohne Telefon ist man abgeschnitten von der Welt, aber empfänglich für gewaltsame Scheinlösungen. Den größten Unterschied wird der Zugang zum mobilen Internet machen, das zeigt sich bereits jetzt in den vielen neuen Möglichkeiten, etwa für Kleinbauern festzustellen, wo und wann man für ihre leicht verderbliche Ware einen Käufer findet.

Es wird spannend auf der Welt, auch weil die neue Quelle der Information weltweit Google und vor allem Facebook ist. Facebook will ja besonders die bisher noch nicht mit Internet versorgten Menschen ansprechen – und das spürt man in Afrika. So ist etwa in Namibia Whatsapp noch verfügbar und kann sogar Videos weiterleiten, wenn das normale E-Netz zu nichts mehr in der Lage ist. Und das Datenvolumen einer Prepaid-Karte wird aufgeteilt in 1GB Internet und 500 MB Whatsapp – ist also das Internet aufgebraucht, funktioniert immer noch Whatsapp – das ja zu Facebook gehört.

In Südafrika gibt es dann eine freie Variante von Facebook – diese enthält keine Fotos oder Videos, wird aber auch nicht auf das Datenvolumen angerechnet. Facebook verdient wie Google sein Geld damit, besser auf den Kunden zugeschnittene Werbung zu verkaufen. Das funktioniert. Facebooks Gewinne durch Werbung sind im letzten Jahr um 80% angestiegen. Und die Hälfte der Internet-Werbeeinnahmen weltweit machen Alphabet (Google) und Facebook.

Die neue Währung ist Aufmerksamkeit. Diese Ökonomie der Aufmerksamkeit hat zwei Kennzahlen: Wird es angeklickt und wie lange bleibe ich dort, und wird es geteilt?

All das wird natürlich gemessen, und kann in tausenden von Varianten getestet werden. So kann detailliert untersucht werden, welche Werbung oder welche Information am besten funktioniert.

Zwei Elemente haben den höchsten Effekt: Humor und Empörung. Wir kennen das Ergebnis von den Katzenbilder und den AFD-wählenden Wutbürgern. Da die sozialen Netzwerke die Information häufiger bringen, die zu unseren Meinungen passt und die seltener, die uns nicht gefällt, entsteht der sogenannte „information bias“. Unser Realitätstunnel wird enger. Und Empörung stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Es gibt viele berechtige Gründe, sich zu empören, und so hat das Internet etwa in autoritären Ländern tatsächlich die Macht, die Machtgefüge real zu verändern. In China sind deshalb vermutlich mehr als eine Millionen Zensoren im Einsatz, um regimekritische Informationen zu unterbinden.

Grundsätzlich aber polarisieren sich die Meinungen. Es gibt weniger Konsens, sondern stärkere Radikalisierung. Links wie rechts. In den USA sieht man es erfolgreich bei Breitbart News, der so wirksamen rechten Medienplattform des Steve Bannon, der es zeitweise bis in die Trump-Regierung geschafft hat. Nachdem er von Trump geschasst wurde, sagte er in einem Interview mit dem Economist, dass er sich freue wieder für Breitbart arbeiten zu können. Dort hätte er die wahre Macht.

Und dieses System ist anfällig für Manipulation. Der Einfluss von Putin auf die Wahl in den USA, der Ausgang des Brexit  – es sind die ersten klaren Beispiele dafür, wie Abstimmungen durch das Internet gezielt durch Falschinformationen beeinflusst wurden. In den letzten Monaten vor der USA-Wahl überholten die Falschmeldungen bei Facebook die realen Nachrichten in der Zahl der Klicks und Weiterleitungen. Ganz vorne dabei: Gerüchte, dass Hillary Clinton an Epilepsie erkrankt sei, Wahrheitsgehalt: Null. Ich bin sicher, auch in Katalonien haben Gerüchte und Falschmeldungen den zentralen Anteil daran, dass die Loslösung von Spanien jetzt für rechts wie links so attraktiv geworden ist. War es bei den Briten die EU, so ist es bei den Katalanen eben Madrid, denen man leicht die Schuld an allen Problemen geben kann.

Es gibt deswegen schon Überlegungen, ob man nicht vor jedem Weiterleiten die Warnung erscheinen müsste: Willst Du das wirklich teilen? Denn es ist gerade die Komplexität der Wirklichkeit, die dabei verloren geht und es erscheinen die einfachen, falschen Lösungen naheliegend.

Ein Beispiel der letzten Zeit: Angeblich gibt es ein Wundermittel gegen Krebs, und die Pharmaindustrie will das verheimlichen. Dieses Mal war es Methadon, ein etabliertes Opiat.  Das behauptete zumindest eine typische, auf Empörung aufgebaute Story die im Internet kursierte. Auch meine Facebook-Freunde leiten solche Meldungen weiter – denn sie klingen so überzeugend.

Darunter findet man meist zahllose Kommentare die sich alle einig sind. Es ist egal, dass die ganze Story unwahr ist. Es stärkt das eigene Weltbild derer, die sowieso schon wissen wie böse die Industrie ist, besonders die Pharmaindustrie. Wie komplex die Wahrheitsfindung in der Medizin wirklich ist, mit ihren prospektiven randomisierten doppeblind-placebokontrollierten Studien und Metaanalysen, wissen die meisten Menschen nicht. Es genügt schon, wenn irgend jemand irgend etwas behauptet, um es für wahr halten zu können. Hauptsache es passt zum eigenen Weltbild.

Was aber gilt es zu tun? Zum einen gilt es, nur dann etwas weiter zu verbreiten, wenn man sicher ist dass es auch wahr ist. Und nichts, was nur durch Sensationsgier, Angst etc. wirkt. Man sollte deshalb auch über Terror, Anschläge etc. weder posten noch sprechen, weil die Verunsicherung und Empörung genau das Ziel ist und es genau solche Taten häufiger werden lässt.

Und es ist auch nicht moralisch schlimmer, wenn ein Mensch durch eine Katastrophe stirbt, wie wenn er durch einen Unfall oder eine Krankheit ums Leben kommt. Wenn die ganze Welt darüber spricht, wurden meist Angst und Sensationsgier angestachelt. Wir sollten uns dem enthalten.

Der Schlüssel ist die Aufmerksamkeit. Das stimmt nicht nur im Internet. Auch unsere wichtigste Entscheidung, die wir jeden Augenblick neu treffen können lautet: Was oder wem schenken wir unsere Aufmerksamkeit. Es wird sich vergrößern und wachsen, je häufiger wir es tun. Aufmerksamkeit ist unser wertvollstes Gut.

Es ist eine wichtige Frage, womit ich meine Zeit verbringen möchte. Eines meiner Lieblingszitate ist: „If you don´t have a plan, you´re part of somebody elses plan“.  Hast Du keinen Plan, hat jemand anders einen für dich.

Es lohnt sich zu fragen, was man möchte, und ob das was man tut, hilft dorthin zu gelangen. Dies gilt in jeden Augenblick neu.

Für mich ist die Antwort klar: Was mir oder anderen hilft zu wachsen, ist wertvoll. Es ist die Schnittmenge von Spaß und Zweck, die ich idealerweise anstrebe. Wenn man etwas, was einen begeistert mit hoher Intensität tut, dann stellt sich häufig ein Zustand der entspannten Anspannung, des Flows ein, wie es in der Psychologie heißt. Ein Zustand, in dem man genau in der Mitte zwischen Langeweile und Überforderung nah an seinem persönlichen Optimum ist. Dann fällt es einem leicht, etwas gut zu tun, was einem zugleich mehr Energie gibt als es verbraucht. So entsteht Motivation und Energie.

Der Schlüssel ist die Aufmerksamkeit.

16.06, über der arabischen Halbinsel.

Ich liebe Langstreckenflüge. Man gewinnt Abstand. Ist nicht mehr Bürger eines Landes, eines Kontinents, sondern der ganzen Erde. Kann, wenn man Glück hat atemberaubende Schönheit erblicken, weiße Wolkenmeere, schneebedeckte Bergketten, Wüsten, Ozeane und Sonnenuntergänge bei denen die ganze Welt in orange Farbtöne getaucht wird.

Zugleich erlebt man eines der unglaublichsten technischen Errungenschaften. Eine Maschine, die hunderte von Tonnen schwer und 70 Meter lang und breit, eine unvorstellbare Geschwindigkeit von fast 1000 km/h erreichen kann. Wie schnell das ist, kann man nur wirklich erahnen, wenn man zufällig eine den Weg in einer anderen Flugbahn kreuzende Maschine erblickt. Und das Ganze funktioniert mit Millionen von Starts und Landungen mit nahezu absoluter Perfektion und einer Sicherheit, gegenüber der Spazierengehen lebensgefährlich ist. Weniger als 50 Jahre hat es gebraucht, von den ersten Hüpfern zum sicheren Transatlantik-Passagierflug. Heute, nochmal 50 Jahre später haben sich Qualität und Preis des Angebots um weitere Dimensionen verbessert.

Fliegen hat auch etwas Unausweichliches. Einmal eingestiegen, gibt es kein Entrinnen. Man kann keine Notbremse ziehen, kein Fenster öffnen, man ist eingeschlossen mit hunderten weiterer Passagiere in einer Aluminiumröhre die unter Druck steht, in einer unwirtlichen, tödlichen Welt mit 20% Luftdruck und -50 Grad Außentemperatur.  Und man ist nicht erreichbar. Kein Anruf muss angenommen werden, keine Email erreicht uns. Es ist ein idealer Platz, um zu schreiben.

Dort oben bekommen alle Gedanken einen größeren Rahmen. Sie werden eher weiter als enger, und so lassen sich gut größere Pläne schmieden, größere Perspektiven betrachten. Es war mein letzter Rückflug von Indien im Frühjahr diesen Jahres, als sich das Tor zu der Entscheidung bei mir öffnete, mit der Familie länger auf Reisen zu gehen.

Und für mich ist Fliegen auch immer ein Stück Heimatgefühl. Es war das Flugzeug, dass mich in den Jahren 1975, 1977 und 1978 von Peru zurück nach Deutschland brachte. Lufthansa stellte die Verbindung her, zuerst noch mit der Boeing 707, jenem Pionier der Düsenjetzeit. Es war laut an Bord, viel lauter als heute. Und es gab nur einen Film, meist nicht für Kinder geeignet. Aber es gab schon damals freundliche Stewardessen und Geschenke für die Kinder. Ich bin immer gerne geflogen, zuletzt sogar als „unbegleiteter Minderjähriger“ mit 9 Jahren zusammen mit meinem 11 Jahre alten Vetter von Lima über New York und Frankfurt nach Stuttgart. Deutschland war ein fernes, unwirkliches Land, in dem ich nach der Ankunft auf der Straße das Gefühl hatte zu schweben, weil man so geräuschlos auf der Autobahn dahinglitt.

Aber mit dem Flugzeug für uns Kinder alleine erreichbar.

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