Freitag, 10. November 2017, 22.02 Uhr,  Wilderness Camp North, South Africa.

Der Tag kam ganz anders. Statt weiter nach Port Elizabeth zu fahren, ging es zurück nach Wilderness. Weil Nadine drauf kam, dass Lysis Zahnspangen noch im Restaurant sein müssen, im Restaurant der Cango Caves. Ich rief an und – tatsächlich, sie hatten sie gefunden. Erleichterung, auf der einen Seite. Auf der anderen Seite jetzt 3 h zurück zu fahren. Aber was soll es. So ist es eben. Dann rief die Restaurant-Managerin noch mal an und sagte: Sie würde nach George fahren, vielleicht passt das ja für uns besser? So machten wir aus uns abends in George zu treffen. Was uns drei Stunden Fahrt ersparte. Wieder einmal diese erstaunliche Freundlichkeit, die wir so oft in Afrika erlebt haben.

Damit war klar, wir verbringen den Tag in Wilderness. So war es dann auch. Zuvor noch ein Stop an der verkohlten Wäldern von Knysna – Kilometer über Kilometer auf beiden Seiten der Straße und auch der Lagune. Es muss ganz schön gewütet haben, das Feuer.

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Samstag, 11. November 2017, 20.59, Wilderness, North Camp, South Africa

Wir sind noch einmal hier geblieben. Weil es einfach zu schön ist. Der Strand war der Strand, den wir in Afrika geliebt haben; und von ihm haben wir uns noch mal verabschiedet. Wie auch von dem Fluss und der großartigen Natur. Solch eine Schönheit hier in Wilderness. Hinter uns der große Fels mit einer grandiosen Höhle darin.

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Am Strand bin ich mit Lysander noch mal in die Wellen gegangen, Velis kam auch dazu. Vor allem aber habe ich mit Tara und Morpheus vorne am Strand gesessen und wir haben Löcher gegraben, Badewannen wo sie dann als die Wellen kamen darin gebadet haben. Herrlich war es. Morpheus war erstaunt dass man auf Wasser trifft, wenn man tief genug gräbt.

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Wir verabschieden uns von Südafrika, ja von Afrika mit einer großen Dankbarkeit. Afrika hat gut auf uns aufgepasst, wir haben es gut gehabt. Sind nicht krank geworden, ist nichts abhanden gekommen. Es waren tolle Erfahrungen, die uns bleiben werden. Und wir haben uns gezeigt, man kann mit 6 Leuten durch das Land ziehen und mit einem Wohnmobil 2 Monate reisen, es geht. Wir freuen uns auch alle bald auf eine Haus und mehr Platz in Indien, und auf die ideale Kombination aus Wärme und Wasser. Deswegen haben uns auch die Flüsse so gut gefallen: Auf der Frage nach dem schönsten Ort sagte Lysander wie Nadine auch den Orange River, und Lysi hat es insgesamt wie Velis auch in Südafrika am besten gefallen. Es war eine großartige Erfahrung, die wir unser ganzes Leben nicht vergessen werden. In Hintergrund rauschen noch die Wellen vom Meer, wir gehen jetzt hinein, es wird kühl draußen. (21.30)

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Sonntag, 12. November 2017, 17.53 Uhr, Rust Camping Place, Colesberg, South Africa, noch 650 km bis Johannesburg

Aufbruch ist immer ein Hochgefühl. Unterwegs sein. Abschied von einem Abschnitt, Vorfreude auf den neues Ausblick. So fahren wir jetzt in Richtung Johannesburg. Heute der erste Tag, 550 Km haben wir geschafft. Morgen noch mal die gleiche Strecke, dann haben wir noch einen Tag zum Wagen abgeben und Sachen packen und dann geht früh morgens die Maschine nach Dubai los, von dort weiter nach Mumbai und dann nach Goa.

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Es ist noch mal ein richtiger afrikanischer Campingplatz, wo Fahrer und Pendler übernachten, einfache Leute ihr Zuhause haben und man uns sehr freundlich empfängt und auch anbietet, Essen aus dem benachbarten Restaurant in der Stadt zu bringen. Das Angebot nehmen wir gerne an, dann kann der Grill aus bleiben und Kartoffeln mit Ei gab es schon heute Mittag in der Mittagspause an der Straße mitten in der ewigen Weite von Südafrika. Wir sind halbe Strecke auch zwischen Johannesburg und Kapstadt und auch hier sind jeweils 600 Km Tagesetappen für Handwerker oder Lieferanten. So sind die 22 einfach, aber freundlich ausgestatteten Zimmer heute Nacht bis auf Eines ausgebucht, und wir stehen mal auf einer typischen Arbeitsunterkunft, keinem Urlaubscampingplatz wie sonst meistens.

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Südafrika ist ein großes Land. Und es ist sehr abwechslungsreich. Ist es im Süden an der Küste noch grün und mit herrlichen Anblicken von Hügeln, Bergen und Wäldern, so wird es im Landesinneren erst trockener mit weniger Grün, bis schließlich sich wieder wie in Namibia trockenes Buschzeugs oder vergilbtes Gras bis zum Horizont ausbreitet. Es ist sehr trocken, man spürt regelrecht dass es die letzte Zeit zu wenig geregnet hat und leider brennt es auch immer wieder, Feuer frisst sich durch die ausgetrocknete Vegetation am Horizont einen Berg entlang.

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Keine Feuerwehr ist in Sicht. Man kann sich vorstellen, wie es im schönen Urlaubsort Knysna an der Küste im Sommer ausgesehen haben muss, dort fuhren wir ja mehrfach durch und nach den Bränden dieses Jahr sieht man über sicher 30 Kilometer beidseits der Straße die Spur der Flammen. Teilweise ist es schon gerodet, teilweise haben alte Bäume den Flammen wiederstanden und sind an der Spitze noch grün. Oft aber ist der Wald orange, die Blätter verwelkt und man sieht die schwarzen Stämme aufragen – es dauert bis wenigstens das Holz überall noch gefällt worden ist.

Lange Fahrten eignen sich aber hervorragend, um einmal längere Gedankenzüge zu verfolgen. Wir reden über unsere bisherigen Erfahrungen in diese Lebensabschnitt, diesem Projekt Weltreise.  Wir lieben beide die Abwechslung, den Kontrast, das stellen wir fest. Das Leben daheim ist sehr schön, besonders wenn man es aus der Ferne betrachtet. Und genauso ist die Ferne von daheim aus so reizvoll. Es gibt diese schönen Zeiten daheim oder bei Freunden abends und wenn man frei hat.

Und zugleich weiß ich, dass viele Phasen der intensiven Arbeit, sei es mit den vier Kindern, dem Haushalt oder dem Beruf dadurch leichter fallen, wenn man die Perspektive auf eine Abwechslung hat. So habe ich es immer gehalten, ich habe nie mehr als zwei, drei Jahre das Gleiche gemacht, und war längstens ein Jahr an einem Ort tätig.  Und überhaupt habe ich immer unterschiedliche Perspektiven kombiniert. Intensiv reisen, intensiv lernen, arbeiten, intensiv Zeit mit der Familie und Freunden, intensiv feiern.

Unser erstes Fazit heißt: Es funktioniert. Wir wollten aufbrechen, und es ist gelungen. Der erste Abschnitt liegt fast schon hinter uns, und es hat sich gezeigt dass es meist leichter war als man es sich vorgestellt hat, dass natürlich aber auch Aufgaben und Herausforderungen sich zeigen, mit denen man nicht gerechnet hat oder über die man sich zuvor keine Gedanken gemacht hat. Wir waren 12 Wochen in Afrika unterwegs, wir wollten ja mit dem „ursprünglichsten“ Kontinent starten, „Mama Africa“.  Sicher, wir waren nicht in Zentralafrika, aber durch Ägypten, Namibia und Südafrika kann man auch mit Kindern gut und sicher reisen, das ist unser Eindruck.

Zwei Monate mit vier Kindern in einem Wohnmobil durch Namibia und Südafrika war eine intensive Zeit.

Ich bin ja meist gefahren, und als Fahrer hat man ja noch den Vorteil, dass man sich auf den Verkehr konzentriert und sich um alles andere nicht kümmern kann. Das hat Nadine großartig gemacht, und ich bin auch froh dass wir mit der doch eher mobilen und dynamischen Lebensform auch im Auto während der Fahrt überall gut durchgekommen sind. Die Kinder haben es aber auch sehr gut gemacht, haben gelernt ihren Platz zu finden, als Gruppe zu interagieren und zu lernen, den Tag mit mehr Freiheiten so zu gestalten, dass am Ende alle zufrieden sind. Tara meist vorne bei Nadine, die ihr unendlich Volkslieder vorgesungen hat, Morpheus hat viel hinten geschlafen oder mit den Jungs gespielt. Die Großen haben gelesen, Musik gehört und viel standen auch alle vorne bei uns und haben tausende von Fragen über Gott und die Welt gestellt.

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Reden wir nun mal von den Geräten. Wir sind ehrlich: Wir sind eine moderne Familie, wir sind nicht unterwegs um uns von der modernen Welt zu verabschieden, sondern eher um unsere Perspektive zu erweitern. Und wir sehe es auch als unsere Aufgabe an, den Kindern einen selbstbewussten Umgang mit den Möglichkeiten der Moderne zu vermitteln, und das heißt für mich, man kann sich nicht auf eine Seite schlagen. Laissez faire funktioniert genau sowenig wie Totalverbot. Vor allem sind wir ja auch Vorbilder, und was für einen Sinn macht es zu erklären dass man lieber draußen spielen soll, wenn der Vater abends immer vor dem Laptop sitzt um den Blog zu schreiben?

So ist es eher ein tastendes Vorwärtsbewegen. Was funktioniert, was nicht? Was tut gut, was nicht? Es ist schnell klar geworden, dass wir nicht vorab alle Bücher mitnehmen können, die die Kinder mal lesen werden. Der Kindle hat sehr gut funktioniert, bis er eines Abends wohl im Gewühl unter die Räder kam und der Display einen Sprung hatte und nicht mehr reagierte. Aber natürlich, auch auf dem Iphone oder Ipad kann man die Kindle-App laden, und so lesen Velis und Lysander jetzt Percy Jackson, Herr der Ringe oder Harry Potter auf dem Iphone oder Ipad. Besonders Percy Jackson finde ich sehr eindrucksvoll, weil er ja alle griechischen Heldensagen und Göttersagen so spannend neu erzählt, dass Velis und Lysander begeistert mir so viele Namen der griechischen Mythologie und deren Geschichte erzählen können, die ich mir nie merken konnte.

Dann gibt es die Bilder und Filme. Ok, wir machen ja meistens die Bilder und Filme, aber Velis und Lysi haben natürlich längst ihre Lieblingstricks heraus. Besonders beliebt ist es, Zeitlupe oder Zeitraffer-Filme zu drehen, etwa von mutigen Sprüngen oder heldenhaften Kämpfen mit dem kleineren Bruder oder der kleineren Schwester. Die wiederum macht dann, wenn es ihr gelingt das Handy zu ergattern am liebsten gewaltige Serien an Fotos aus ihrer Perspektive. Ich kann dann gerne mal 123 Bilder mit einem Ausschnitt von ihrem Fuß und der Wohnmobilwand löschen.

Natürlich haben wir die Geräte mit Codes gesichert. Die älteren kennen sie nach kürzester Zeit, die Kleinen drücken solange auf die Zahlen bis das Iphone dann für ein paar Stunden gesperrt ist und dann schauen sie ganz unschuldig drein, als hätte das nichts mit Ihnen zu tun.

Dann gibt es Musik oder Hörspiele. Jeder hat seinen eigenen Geschmack, es kann lange Diskussionen geben ob es jetzt 3 Fragezeichen oder doch „Der gestiefelte Kater“ sein soll, oder einer der Wissenssendungen über Indianer oder die Urzeit. Und dann die Spiele. Hier beim „daddeln“ sind wir weniger tolerant, hier wird meist das Gerät eingezogen und erst wieder herausgegeben, wenn glaubwürdig dargelegt wird dass man nun nur Schach spielen will und es auch noch dem kleinen Bruder beibringen will oder es Zeit für Sofatutor ist.

Wenn es gut läuft, dann löschen sie schließlich die Spiele selbst wieder und es bleiben wenige „Klassiker“ wie MineCraft übrig, die dann und wann von uns toleriert werden. Aber ich denke mir auch, man muss den Umgang mit den Spielen lernen, und das kann man nicht wenn sie nur verboten sind. Bisher habe ich das Gefühl, dass die Balance stimmt. Aber man muss sie auch täglich wieder neu erkämpfen, und es gibt mal gute und mal schlechtere Zeiten. Vor allem bei langen Fahrten wird es manchmal schwierig die Stimmung aufrecht zu halten, und dann wirkt ein Film Wunder und alle können wieder durchatmen  – vor allem wir beide,  wenn es einmal ruhig ist.

Jetzt ist auch das Whatsappen groß herausgekommen. Mit den daheim gebliebenen Freunden wird so intensiv gechattet und eine Verbindung zur Heimat hergestellt. Wie auch mit Facetime mit Oma und Opa zu telefonieren und dabei zu sehen, wie sehr sich alle Kinder freuen, wenn sie die vertrauten Stimmen nicht nur hören können, sondern auch die Gesichter dazu sehen.

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4 Replies to “Abschied von Afrika”

  1. Danke,Ihr Lieben,wieder für Eure ausführlichen Berichte.
    Ich finde dein Fazit des 1. Reiseabschnitts sehr interessant,Leander. Warum wagen nicht mehr Menschen dieses Schritte?
    Ich kenne aber auch niemanden, der so kontinuierlich seine Lebensabschnitte gewechselt hat wie du.Du bist wirklich in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich.
    Ich habe Neuigkeiten von Sandstedt, die sollen nochmal schnell nach Südafrika!
    Das Haus ist wieder in Ordnung, keine Schäden,der Keller leergepumpt.Hermann,Jörg und Henning im Einsatz.
    Wir waren heute dort und Ihr seht auf den Fotos das neugestrichene Haus,den Schlick noch auf dem „guten „Sand und den gefällten Baum zum Nachbarn.
    Nun hoffen wir,daß Ihr gut i Goa ankommt.
    Liebe Grüße

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    1. Liebe Almut, Danke dass Du immer so Anteil nimmst an unsere Reise! Gut zu hören dass in Sandstedt das Haus wieder in Ordnung ist, vielen Dank an die tatkräftigen Helfer! Ich vermute, bei mir ist in gewisser Hinsicht das Jäger und Sammler- Gen noch aktiver als das der Sesshaftigkeit, denn eigentlich bin ich ja einfach gerne Unterwegs und frage mich eher wie es andere machen die immer kontinuierlich an einem Ort eine Sache machen… Liebe Grüße Leander

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    1. Hallo,
      in Johannesburg waren wir nur einen Tag um den Wagen abzugeben, in einem freundlichen Hotel direkt am Flughafen. Die Kinder fanden es toll wieder „wie daheim“ so viele Straßen, Autos und Häuser wieder zu sehen. Aber insgesamt ist Johannesburg glaube ich nicht so attraktiv, alle Südafrikaner haben uns eher abgeraten und es sei auch nicht so sicher… VG Leander

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