Donnerstag, 26. Oktober 2017, 22.40 Uhr, Froggy Pond Resort, Südafrika

Meine Schwester mit Familie sind da! Gestern nachmittag kamen sie an. Abends haben wir noch gegrillt, gestern war es voller Regen, der erste Tag seit über zwei Monaten. Sehr gemütlich im Wohnwagen, Zeit für Schule, Schreiben und Lesen. Jetzt ist es sehr schön,  von daheim Besuch zu bekommen.

Abends ging es zum Sonnenuntergang zum Boulder Beach, sehr orange von den Flechten und schön und die Jungs gleich ganz vorne am Wasser auf den Felsen zu sehen. Alle sprangen von einem Felsen zum nächsten und immer möglichst nah an die Gischt heran.

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Und die Kinder freuen sich alle riesig über Tante und Onkel und vor allem ihre Kusinen im Alter von fünf und einem Jahr, mit denen sie auch in Berlin und in vielen Urlauben oft zusammen sind. Tara wird manchmal etwas wild, weil sie jetzt nicht mehr die einzige Prinzessin ist.

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Heute dann ein schneller Kaffee und dann morgens los erst zum Strand. Die kleinen Pinguine sehen süß aus, Morpheus und Tara bekommen ein Stoff-Pinguin, die verstärken die Kuscheltier-Familie.

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Dann machen wir los,  die 50 Kilometer bis zum Kap der Guten Hoffnung, im Jahr 1488 vom Portugiesen Bartolomeu Diaz auf der Suche nach einem Seeweg nach Asien entdeckt. Auch ich muss mir erst wieder auf der Karte klarmachen, dass dies nur der südwestlichste Punkt Afrikas ist, der südlichste Punkt heißt Cap Agulhas und liegt 140 km weiter südöstlich. Heute ein Naturschutzgebiet, ist es aber dennoch ein eindrucksvolles Naturschauspiel und bleibt der Ort, den alle Touristen hier ansteuern. Durch seine starken Winde und die knapp unter der Wasseroberfläche liegenden zahlreichen Felsen war es bei Seefahrern gefürchtet – auch Diaz starb mit seiner gesamten Besatzung im Jahre 1500 beim Untergang seines Schiffes in der Nähe des Kaps.

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Wir steigen zum Leuchtturm auf, Tara hat auf halber Strecke keine Lust mehr und ist wenig begeistert dort hinaufgetragen zu werden. Oben sieht man, dass wir fast 10.000 Kilometer von daheim weg sind, dass es aber immer noch fast 12.000 Kilometer bis Australien sind. Als nächstes kommt aber Indien, es liegt jetzt hinter dem Horizont.

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Als Nächstes wollen wir noch einmal in eine Bucht, die Elephant Bay ein paar Kilometer nördlich.

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Dort ist es sehr ruhig, die Kinder spielen freudig, und wir ruhen uns aus und kochen Essen. Es ist einfach praktisch sein Haus immer dabei zu haben. Velis gefällt es besonders gut vorne auf den Felsen, hinter dem Hügel.

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Dann aber brechen wir rasch auf, um noch mal nach Kommantje, eine halbe Stunde weiter nördlich an den tollen Surfer-Strand zu fahren. Eine wunderschöne Fahrt mit Brahms Deutschem Requiem aus dem Boom-Lautsprecher und der Küstenstraße am Meer entlang.

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Dort angekommen schlagen wir am Strand ein Lager auf, jetzt zu zehnt mit sechs Kindern. Dachten wir zumindest. Denn nach einer Weile fragen wir uns: Wo ist eigentlich Velis? Ist er da vorne an den Felsen mit Lysander? Der aber spielt da alleine und hat ihn nicht gesehen. Auch nicht bei Morpheus und Tara mit den Kusinen am Wasser.

Plötzlich ein großer Schreck: Velis ist weg! Er war gar nicht bei meiner Schwester im Auto, und auch nicht hinten im Wohnmobil bei den vier herumalbernden Kindern, denn dort spielten Tara, Morpheus und Lysander mit ihrer 5jährigen Kusine. Velis aber war gar nicht dabei.

Wir müssen ihm am Elephant Bay beim Kap der Guten Hoffnung zurückgelassen haben.

Ich leihe mir das Auto meiner Schwester und gebe Gas. 35 Km wieder die kurvige Straße zurück. Wir müssen beim Losfahren mehr aufpassen, denke ich mir, einmal fragen: „Sind alle an Bord“ genügt bei sechs Kindern nicht. Hoffentlich wartet er dort noch!

Beim Parkeingang angekommen sehe ich, dass man Velis schon bemerkt haben muss. Ein Mann diskutiert mit der Angestellten im Häuschen, es bildet sich eine Schlange bei der Einfahrt. Schnell steige ich aus und renne hin: Haben Sie einen Jungen gesehen? Tatsächlich, der deutsch sprechende, barfuß laufende freundliche Weiße erklärte es mir.

Ein französisches Ehepaar ist bei ihm am Elephant Bay, er ist hier die 5 Kilometer zum Eingang hochgefahren um Hilfe zu holen. Nur passt mein Auto nicht, es soll sich doch um ein Maui-Wohnmobil handeln. Ich kann es erklären; das ist das Auto meiner Schwester. Sie hatten besprochen unten noch eine Weile zu warten ob ich zurück käme und dann Velis mitzunehmen. Da die Franzosen nach einem Wohnmobil Ausschau halten, muss ich jetzt bei jedem entgegenkommenden Fahrzeug das Warnblinklicht anmachen und langsam fahren, um nach Velis  zu sehen. Der letzte Wagen, bevor ich an der Bucht ankomme, hat Velis an Bord. Er freut sich mindestens so wie ich, als wir uns wieder in die Arme fallen.

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Er war tatsächlich noch eine ganze Weile vorne spielen, bis er zum Parkplatz zurückkehrte, wo kein Auto mehr stand. Erst hat er einfach weiter gespielt und sich gedacht, wir kommen ja gleich wieder. Doch nach einer Weile wurde ihm kalt, er bekam Hunger und andere Touristen kamen an und sahen einen schluchzenden Jungen. Sie  haben sich sehr liebevoll um ihn gekümmert.

So gut hat er es gemacht, so glücklich waren wir alle. Auch das ist ja eine Erfahrung fürs Leben. Verloren und wieder gefunden werden. Dafür ging es danach in eine Pizzeria, ein  schönes Surferrestaurant, sehr malerisch gelegen und sehr entspannt drinnen. Vorhin hatten wir ja sicher sicher zwei Dutzend Surfer im Wasser gesehen, alle auf der Suche nach der perfekten Welle.

 

One Reply to “Am Kap der Guten Hoffnung”

  1. Danke für die Reiseberichte in der Zwischenzeit.
    Bei der Nachricht von Velis Verschwinden ist mir richtig schlecht geworden.Was für ein Abenteuer mit Gottseidank gutem Ausgang!!!
    Wie schön,daß Felise mit Familie dazugestoßen ist,bitte alle herzlich grüßen und Euch eine gute gemeinsame Zeit.
    Kurz eine Nachricht von der Heimatfront: am vergangenen Wochenende hat das 3.Sturmtief dieses Herbstes leider Wasser ins Haus getrieben Hermann und Henning und Jörg haben schon gute Schadensbegrenzung gemacht – dennoch blöd!Wir müssen noch mehr Wintervorkehrungen treffen.
    Ansonsten sind 2 Bäume gefällt und das Haus wird gerade weiß gestrichen.
    Liebe Grüße Almut

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