Dienstag, 17. Oktober 2017, 16.27 Uhr, Roadhouse Camp, Gondwana National Park, Namibia

Schreiben. Einfach weiter schreiben. Ich habe die Entscheidung schon getroffen, mir Zeit zum Schreiben zu nehmen, schon vor langer Zeit. Schritt für Schritt komme ich dem Idealzustand näher und finde täglich dafür einen Platz. Um schreiben zu können, braucht es Zeit und Inspiration. Zeit kann ich finden, und zur Inspiration sind Reisen ideal.

Heute sind wir in den Gondwana Park eingereist. Hier ist der Urkontinent Gondwana vor 500 Millionen Jahren auseinandergerissen und hat sich in die afrikanische und die südamerikanische Platte getrennt. Dadurch entstand ein gewaltiger Canyon, der Fishriver Canyon. Ihn wollen wir in den nächsten Tagen anschauen, wenn wir es dorthin schaffen.

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Als die Deutschen vor über 100 Jahren eine Eisenbahn durch Namibia gebaut haben, ging hier die in der Nähe die Strecke durch. Heute läuft die asphaltierte Nord-Süd-Straße weiter westlich, aber man sieht noch die Eisenbahn durch ein Niemandsland fahren, und einmal am Tag auch einen Zug.

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Das hier ist wieder ein wunderbar inspirierender Ort. Die Anstrengung ist überwunden, wir haben Schule gemacht, sind gefahren, haben gekocht, das Lager aufgeschlagen. Jetzt hänge ich in der Hängematte. Natürlich muss ich damit rechnen, dass die großen Jungs mit ihrem Wirbel wieder ankommen. Es ist die Aufgabe, die wir uns gestellt haben. Und alle Kinder stellen ihre spezielle Herausforderung. Sie stellen uns die Aufgabe, Geduld mit ihnen und ihren Launen zu haben. Ihrer Art, Forderungen zu stellen und kritische Fragen zu stellen, die einen selbst in die Verteidigung und aus der Ruhe bringen. Unsere Aufgabe ist es, damit umzugehen.

Meine Theorie ist: Es fühlt sich leichter an, wenn die Kinder den ganzen Tag in der Schule sind und danach sich selbst beschäftigen. Aber am Ende ist die Zeit wertvoll, die man mit ihnen verbringt. Auch mit ihren Launen und Energien. Ich glaube, dass es eine sinnvolle Investition ist mit ihnen viel Zeit zu verbringen. Auch wenn es sie aus der normalen Routine herausbringt. Aber sie entwickeln in der Freiheit neue Spiele.

Velis entwickelt Rollenspiele, die er dezidiert von morgens bis abends weiterentwickelt. Er findet jede Wiese geeignet, um gegen Schüler von Wespe oder Fratze zu kämpfen, oder gegen den Wanderer. Es geht immer um Leben oder Tod, und natürlich gewinnt er nach harten Kämpfen immer. Wie auch bei der Geschichte die er weiterschreibt ist er der Kreative, dem die Geschichten einfallen. Lysander ist dann super darin, sie weiter auszuschmücken, kritische Fragen zu stellen und dem ganzen einen größeren Rahmen zu geben.

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Wir stehen wieder mitten in der Landschaft unter zwei Bäumen, zwischen denen sich beide Hängematten gut aufhängen lassen. Es ist schon wieder kühler geworden, in der Sonne heiß, im Schatten aber schon ist der kühle Wind zu spüren. Ideale Temperaturen, da man sich wie eben auch im Wohnmobil gut aufhalten kann. Ich habe nach den Spaghetti kurz geschlafen, hinten im Wohnwagen. Der Platz erinnert mich an unseren großen alten Wohnwagen daheim. Wenn wir später mal allein ein Wohnmobil haben sollten, dann liegen wir auch dort hinten. Es ist der schönste Platz.

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Denn das Konzept, mit einem Wohnmobil zu reisen hat uns überzeugt. Nadine bricht gerne auf, und ich liebe auch das Gefühl ins Unbekannte aufzubrechen. Und die Welt hat noch so viele schöne Orte zu bieten, das ist vollkommen klar. Wir werden sie entdecken.

Afrika ist herrlich. Hier ist noch so viel Platz. So viel Natur. Auch wenn hier einmal doppelt oder dreimal so viele Menschen leben, ist noch viel Platz. Und da es sich mittlerweile dank der niedrigen Fleischpreise mehr lohnt, die Farmen wieder in den Naturzustand zu bringen als Vieh weiden zu lassen, wird hier im Süden eher noch mehr Natur wieder entstehen.

Wir haben den Wendekreis des Steinbocks überquert, und die Tropen verlassen. Ich frage mich, wo liegt der Wendekreis des Krebses? Es ist ungewohnt, ohne Bücher und ohne Internet unterwegs zu sein. Üblicherweise lässt sich so eine Frage gleich durch den Blick in den Atlas oder noch viel schneller auf das Handy klären. Heute morgen habe ich aber zwei Webseiten offengelassen, die Frage beantworten. Der nördliche Wendekreis geht durch die Sahara, etwa durch Südalgerien und Ägypten, und Nordindien und den nördlichen Teil von Mexico. Der südliche weiter durch Australien, Chile und Argentinien. Offensichtlich sind es sehr trockene Gebiete, auf beiden Seiten der Erdkugel. Dann bin ich auf jeden Fall in Chile schon über den Wendekreis gefahren, und in Mexico auch.

Die Wendekreise sind 23,5 Grad südlich und nördlich vom Äquator entfernt. Diese 23,5 Grad sind genau die Neigung der Erdachse. Dort ist es besonders trocken, weil am Äquator durch die größte Sonneneinstrahlung mit zwei mal im Jahr senkrecht stehender Sonne heiße Luft aufsteigt, und in beide Richtungen in großer Höhe ihre Feuchtigkeit verliert. Wenn sie dann komplett trocken und kühler die Wendekreise erreicht, sinkt sie wieder ab und bringt trocken Luft mit sich. So entstehen hier Wüsten, im Norden etwa die Sahara, im Süden hier in Namibia die Kalahari.

Jetzt werden wir mit meiner Schwester telefonieren, um die nächsten Abschnitte unserer Reise in Südafrika zu planen. Sie will uns mit Familie für 10 Tage besuchen kommen. Toll, damit haben auch die Kinder Spielkameraden, alle freuen sich sehr!

Abends gehen wir endlich mal wieder joggen.

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Die Landschaft sieht wie auf dem Mars aus, wenn man die wundersamen vereinzelten Pflanzen sich wegdenkt.

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Und zoomt man heran, sieht es wie im Großen wieder im Kleinen aus. Selbstähnlichkeit, eines der faszinierenden Eigenschaften der Natur.

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Mitten in der Trockenheit ist eine Quelle, sie versorgt das Camp mit Wasser und auch einen kleinen Bach.

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Morgen werden wir auch mit den Kinder loslaufen, die freuen sich schon drauf.

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