Montag, 9. Oktober 2017, Aufbruch von Khowarib

Die Fahrt ging sehr holprig los. Als erstes suchten wir nach Trinkwasser, dass uns mittlerweile ausgegangen war. Ein Laden war aber weit und breit nicht zu sehen. Die Straße war landschaftlich schön, aber in einem miserablen Zustand.

Nach 2 Stunden Gerüttel kam eine Tankstelle. Dort erklärte man uns auch, dass gleich eine Kontrolle käme. „They check everything“. So war es dann auch. Das Tor ging nicht auf, sondern der Wagen wurde gründlich nach Fleisch und tierischen Produkten durchsucht. Zum Glück hatten wir das gute Fleisch gestern alles noch gegrillt. Aber auch die Eier durfte man hier nicht mit hinausnehmen, aber gekocht schon. So stellten wir den Wagen an der Seite vor den Ständen der Himba-Frauen ab und kochten 10 harte Eier. Weiterhin bei laufendem Motor, denn das Startproblem des Wagens hatte sich nicht gebessert. Mit der Kombizange und viel Geduld bekam ich ihn morgens irgendwann an, aber kaum ging das Gerüttel der Wellblechpiste los, war es auch schon wieder vorbei.

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Dafür kauften wir bei den Frauen Armbänder, für jeden zwei. Die Kinder zogen sie stolz an, eines aus Leder, eines mit Schmuck.

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Wir hatten ja Khorixas als Ziel, eine etwa 200 Km entfernte Stadt, ja die einzige Stadt hier in der Gegend. Dort sollte es auch eine Werkstatt geben.

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Mittlerweile war der Wagen wieder vollständig von innen eingestaubt, und jede Schublade mit einer Staubschicht bedeckt. Zwischen Inneneinrichtung und Karosserie musste es irgend eine undichte Stelle geben. Die enorme Lautstärke bei Fahren blieb eine Herausforderung für sich, man konnte sich eigentlich nur schreiend verständigen.

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Dann fing der Wagen gefährlich an zu schlingern. Ich trat auf die Bremse. Die Kontrolle zeigte auf: Links hinten hatten wir einen Platten.

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Wagenheber herausgeholt, unter das Fahrzeug gekrochen und nun versucht, die 3,6 Tonnen anzuheben. Alle Kinder mit dabei. Irgendwann war der Ersatzreifen drauf, wir konnten weiterfahren. Aber, wie das eben manchmal so ist mit Ersatzreifen, es sind meist nicht die Besten: 20 Km vor Khorixas, etwa eine halbe Stunde nach der ersten Panne ging das Schlingern wieder los. Noch war etwas Luft im Reifen, und ich hoffte Ihn mit der Fahrradluftpumpe (die einzige, die wir dabei hatten, das Auto hatte solche Spielereien nicht) bis zur nächsten Hütte mit dem Schild: Tire Repair durchzubringen. Schweißtreibend pumpten Nadine und ich abwechselnd.

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Nach 5 Km kam auch eine solche Hütte. Es gab Wasser und Getränke zu kaufen, nur leider war nur eine Frau da, vom Mechaniker keine Spur.

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Noch 15 km, wir versuchten unser Glück weiter mit halbvollem Reifen und langsamer Fahrt. Nach 1 km war es dann vorbei, der Ersatzreifen hing nur noch in Fetzen um die Felge.

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Zum Glück gab es Handy-Empfang, und so kam nach einer halben Stunde ein verbeulter alter Golf mit drei Männern an, die beide Reifen samt Felge mitnahmen und unser Fahrzeug aufgebockt zurückließen.

Schließlich kamen sie mit einem provisorischen Reifen wieder an. Der hatte zwar zu wenig Luftdruck, aber wir konnten fahren. Wir fuhren sicherheitshalber vor, mit Tempo 30, und schafften es, Kilometer für Kilometer hoffend bis zur Werkstatt. Die sah nicht besonders vertrauenserweckend aus. Und man hatte auch nur zwei nicht ganz passende Reifen für einen horrenden Preis anzubieten. Aber, nun gut, damit konnte es morgen weitergehen. Direkt neben dran war die Tankstelle und ein Campingplatz.

Das Problem mit dem Blinklicht und dem Bremslicht konnten sie lösen, bei der Batterie hatten sie auch keine Ahnung und merkten nur, nachdem sie es mit dem Starthilfekabel versucht hatten, dass es an der Batterie selbst nicht liegt. Mit meiner Zange konnten wir dann wieder starten. Ich musste sie dann aber einem der Mechaniker wieder aus der Tasche holen. Am nächsten Morgen war aber das Problem schon wieder da. Wir beschlossen dennoch weiter zufahren. Mittlerweile hatte Lysander den Dreh raus und konnte mir immer beim Überbrücken per Zange helfen, während ich den Wagen startete.

Wir fuhren mit Tempo 50 und bei üblen Stellen auch nur Tempo 20 bis Uis am Brandberg, die letzten 100 Kilometer bis zur Küste haben wir nicht mehr geschafft. Dort eine Übernachtung in einem Campingplatz, der stark an die 60er Jahre erinnerte, vom Geruch der Kneipe bis zum algengrünen Wasser des Swimmingpools. Dort wollte keiner baden.

Hier gab es eine alte Zinnmine, Wüste und eine gnadenlose Hitze. Die 20 km entfernten Felsmalereien aus prähistorischen Zeiten waren nur über schlechte Piste zu erreichen, nichts für uns. Nachts wurde es kühl, und für den morgen freuten sich alle auf den Atlantik, jetzt nur noch 100 Km Wüste entfernt.

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