Sonntag, 1. Oktober 2017, 14.04 Uhr, Halali Camp, am Swimmingpool

Es ist feuchter geworden. Wolken sind aufgezogen. Und es sind, ganz eindeutig, gerade ein paar Regentropfen heruntergekommen. Halali. Das zweite Camp im 1907 von den Deutschen gegründeten „Etosha-National Park“. Bei der Einfahrt sieht man ein Jagdhorn als Symbol. Die Zeiten der Jagd sind zum Glück hier vorbei.

Jetzt regnet es kurz.. Bei 20 mm Jahresniederschlag in dieser Gegend ein seltenes Ereignis. Wir genießen den Tag auf dem Camp, sind am Swimmingpool und erholen uns. Morgen geht es weiter.

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Montag, 2.Oktober 2017, 9.43, auf der Piste im Etosha-Nationalpark.

Nadine ist am Steuer. Wir sind pünktlich aufgebrochen. Vollgetankt, Wasser, Bier, Milch gekauft. Wassertank aufgefüllt. Alle Akkus geladen, Kontakte ausgetauscht mit Wendy und Jon  aus dem Norden Südafrikas. Der netten Großfamilie mit dem Toyota-Handel, dem ältesten in Südafrika.

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Was für ein Lebensgefühl. In der Weite des Nationalparks mit dem eigenen Auto zu fahren. Die Südafrikaner hatten einen sehr coolen geländetauglichen Anhänger, Man konnte ihn in ein großes Zelt mit Doppelbett in der Höhe und einem Vorzeit verwandeln, und von der offenen Seite her war es eine voll ausgestattete Küche.

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Bei den Offroad und größeren Fahrzeugen ist Toyota führend, sagte Jon: „Schau dich hier um, es sind 80% aller Autos Toyota 4×4.“

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11.00 Uhr,  27 km vor Namutoni. Vorher große Zebraherden und Büffelherden. Ein Elefant lief gerade vorbei. Wir sitzen fest, der Wagen startet nicht mehr. Batterieprobleme. Auch alle Tricks helfen nicht. Wir warten auf Hilfe aus Namutoni, wir haben noch Handyempfang. Und Google Maps arbeitet auch zuverlässig, gibt auf Meter genau die Abzweigungen an. Eine erstaunlich Welt.

Gut, dass wir noch mal eingekauft haben. Es gibt Kartoffeln, ich habe erst mal gekocht.

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15.23 Uhr. Wir sitzen fest. Wir warten seit 4 1/2 Stunden. Der Handyempfang ist nur sporadisch da. Wir sehen viele Fahrzeuge an uns vorbeifahren, aber hier im Gebiet gibt es Löwen, Aussteigen ist verboten. Ich steige dennoch kurz aus, weil im Fahrzeug kein Empfang ist. Löwen sind keine zu sehen. Es ist heiß. Die Hotline der Autovermietung ist mal nicht erreichbar, mal meldet sich jemand der verspricht, es sei schon Hilfe unterwegs. Ich rufe jede Stunde wieder an. Nur es erscheint nie jemand. Wir beruhigen die Kinder, und uns selbst.

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Dann hält ein offizielles Fahrzeug, es kommt ein Officer im Anzug sichtlich erregt auf uns zu. Ich begehe den Fehler, auszusteigen. Gleich wird er ungehalten: „What are you doing here?“ Ich versuche die Lage zu erklären. Er bleibt unfreundlich: „You are lying! Where is your permit?“. Ich reiche allmögliche Papiere, es sind immer nicht die richtigen. Leider haben wir auch nicht die richtigen Fahrzeugpapiere, denn beim Tausch der Autos fehlten im neuen Wagen die etwa 50 Seiten Kopien aller Dokumente. Das sei kein Problem, hieß es damals. Wir sollten bei Probleme einfach die Hotline-Nummer wählen. Das versuchte ich auch, aber es war natürlich kein Empfang. Als wir dann durchkamen und ich das Handy dem Officer reichte, wussten beide Seiten nicht, was der andere wollte.

Beim nächsten „You are lying!“ stolperte unser unfreundlicher Parkwächter und fiel unsanft über einen großen, scharfkantigen Stein. Jetzt half ich ihm, die Verletzungen an den Händen zu desinfizieren und die Wunden zu verbinden. Nun wollte er nur noch weg, die Papiere waren vergessen.

Jetzt beschließe ich, selbst mein Glück zu versuchen. Wir wollen vermeiden, hier zu übernachten. Und das Fahrzeug stehen zu lassen ist auch nicht attraktiv. Es ist schon absurd, es gibt wenig Orte an denen Liegenbleiben unangenehmer ist als umgeben von wilden Tieren. Was ist nur mit unserem Wagen los?

Ich steige aus, krieche unter den Wagen, ein Kabel hat sich gelöst, es ist aber nur das Rücklicht. Ich überprüfe alle Sicherungen, Schalter. Es gibt einen Hebel. Start-Assist. Das Fahrzeug hat ja drei Batterien, zwei sind nur für den Wohnraum. Aber das hilft auch nichts. Der Motor macht kein Geräusch.

Ich öffne die Motorhaube, wackle an allen Steckverbindungen der Batterie. Vielleicht kann ich ja einer Batterie von hinten ausbauen und vorne einbauen? Ein Kontakt hat etwas Spiel. Ich drücke ihn fest, schließe die Motorklappe. Ich steige wieder ein, versuche zu starten: jetzt springt alles an. Strom ist wieder da.

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Wohin kommen wir jetzt noch vor Einbruch der Dunkelheit? Das nächste Camp im Park und das anliegende außerhalb waren beide belegt. Wir beschließen, heute noch bis nach Ongwediva zu fahren, kurz vor der Grenze nach Angola ganz im Norden. Hier arbeitet ein alter Freund von mir aus Schulzeiten, das habe ich vor ein paar Tagen erfahren, und er freut sich über einen Spontanbesuch.

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Wir sehen weiter viele Tiere, große Tierherden. Dann kommt nur noch Grasland. Nach 50 Kilometer sehen wir den Zaun des Etosha-Parks und das Tor Richtung Norden. Dahinter beginnt ein ganz anderes Namibia. Es wird feuchter, es gibt immer wieder Wasserstellen zu sehen. Palmen wachsen. Man sieht viele Menschen am Straßenrand. Dörfer und Städte wechseln sich ab, aber ganz anders als im bisherigen Namibia. Es sieht ärmlicher, afrikanischer aus und es gibt weniger Zäune an den Straßen, mehr Ziegen und Kühe laufen frei herum. Touristen fahren hier nicht her.

Wir schaffen es genau zum Sonnenuntergang die 200 Km bis Ongwediva. Es ist eine große Freude, als wir herzlich von unseren Freunden empfangen werden.

Ankunft in Ongwediva

2 Replies to “Panne im Etosha-Park”

  1. Ihr Lieben,habe etwas die Luft angehalten,als ich bin Eurem Abenteuer las. Wie gut,daß du,Leander,nochmal aktiv geworden bist!!!
    Mögt Ihr ein wenig Berichte aus unseren Gefilden?Offiziell schreibt und diskutiert jeder über die Ergebnisse der Bundeswahl am vorletzten Sonntag,und man kann schon jetzt sagen- es wird spannend ,die langweilen Zeiten der GroKo sind vorbei, und das ist gut!
    Wir haben gerade 4 wunderbare Sandstedttage hinter uns,ich habe nochmal ein Freundesfest zum runden Geburtstag gefeiert und es war sehr schön.Heute hatte Eilert zum Geburtstagsbrunch geladen und nächste Woche fahren wir mit den Kindern wieder dorthln.Es ist schon sehr herbstlich dort und ich teste täglich das Weserwasser – bin gespannt, wie lange das noch geht.
    Freu mich immer über Eure Berichte.Meinen dicken Weserdampfer schicke ich per Mail.
    Ganz liebe Grüße Almut

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