Sonntag, 17. September 2017, 21.25, Okahandja Country Lodge, Namibia

Wir sind ganz allein auf diesem Campingplatz. Es ist ein schöner Platz, mit schattigen Bäumen, kleinen Essplätzen mit Strohdächern. Duschen unter freiem Himmel. Unser erster Campingplatz in Namibia, mit unserem neuen Zuhause erreicht, dem 6-Bett-Camper von Maui: Odyssee.

Es ist Luxus mit solch einem Gefährt hier unterwegs zu sein. Einmal ist uns einer begegnet, sonst scheint das hier die Ausnahme zu sein. Die Straße von Windhoek führt durch Savanne, hin und wieder Bäume, alles am Ende der Trockenzeit.

Velis, Morpheus und Tara springen schon leicht bekleidet mit Stöcken und Steinen herum, sie spielen mit Hölzern, schnitzen sich Stöcke, werfen Papierflieger und machen sich nass. Lysander ist noch etwas angeschlagen, hat Durchfall und noch Schnupfen, er liest im Wohnmobil. Auch Nadine ruht sich aus. Ich hatte mein Fieber gestern, Nadine wird vermutlich auch etwas erwischt haben.

Es war eine Tour de force, morgens noch Ägyptisches Museum, danach die Pyramide, und abends zum Flughafen. Wir haben es geahnt dass es anstrengend wir, als ich schon mit Kopfschmerzen aufgewacht bin am Abflugstag wusste ich auch, das wird ein Trip.

Mit unseren acht Gepäckstücken zum Aufgeben und vier Tagesrucksäcke an Bord sind wir eine halbe Expedition. Aber ehrlich gesagt, nichts ist unnötig und vor allem das Spielzeug kommt täglich zum Einsatz, und gekocht wird auch überall.

Auf dem Weg zum Flughafen sah man ein moderneres Ägypten, dort sind die Siedlungen der Wohlhabenden, Einkaufszentren, Autobahnen, Einfamilienhäuser, elegante Wohnsiedlungen. Als gegen 2.45 Uhr morgens der Flieger startet, sind wir alle sehr erleichtert: bis zur letzten Minute im Flieger war es nicht klar, ob wir nicht wieder aussteigen müssen. Wir hatten keine Geburtsurkunden für die Kinder ausgedruckt dabei. Ich habe alles eingescannt und in der Dropbox – aber bekomme mal etwas ausgedruckt wenn du noch 30 Minuten bis Abflug hast…

Ende gut, alles gut, wir durften mitfliegen. Ein netter Mitarbeiter von Ethiopian Airways brachte uns den Ausdruck schließlich in den Flieger; dann erst durften wir mitfliegen.

Addis Adeba machte aus der Luft einen wunderbar grünen Eindruck, die Menschen im Flieger und am Flughafen bunt, unverschleiert, schlank und elegant. Ich las im Flugmagazin von 100 Mio. Einwohnern und einer faszinierenden Natur. Dieses Mal nicht, es wäre zu viel geworden für uns alle.

Johannesburg war schon wie Europa, modern, kein Vergleich zu Ägypten. Bei uns allen war ein Aufatmen zu spüren, es war doch auch fremd in Nordafrika für uns bunte Berliner Crew..

Nach unzähligen Passkontrollen, Formularen, Sicherheitskontrollen (wir hatten ja nicht durchgebucht und mussten deshalb in Johannesburg einmal einreisen, Gepäck annehmen und anschließend wieder ausreisen) und tatsächlich der Überprüfung der Geburtsurkunden:

am Ende des dritten Flugs Ankunft in Windhoek, am nächsten Abend.

Es war eine Strapaze. Alle sind fertig, Velis legt sich immer wieder einfach auf den Fußboden zum weiterschlafen, meine Kopfschmerzen waren kaum besser und Nadine hatte die ganze Zeit die Kleinen um sich herum und kein Auge zugemacht.

Nadine meinte: Wie in Goa! Man steigt aus dem Flieger und läuft zum Terminal vor. Es ist kühler, ein kleiner Flughafen. Wie mittlerweile Standard eine aufwändige Einreiseprozedur , diesesmal ohne Wärmebildkamera (Lysander sah tatsächlich heller aus), aber mit Fotos. Es dauert, bis wir alle einzeln auf dem Foto sind. Am Ende kontrolliere ich alle Visa noch einmal: Nadine hat nur 30 Tage bekommen, wir alle wie gewünscht 40. Das wird zum Glück von der resoluten Grenzbeamtin als ihr Fehler anerkannt und korrigiert.

Um 21.30 ist der Flughafen leer und es stehen keine Taxis da, aber ein netter Mitarbeiter von Europcar bringt uns mit einem neuen VW-Bus zur Airport Lodge. Ein Fahrt im leisen VW-Bus, wie daheim. Die Kinder schlafen sofort ein. Linksverkehr, ich erschrecke kurz bei den entgegenkommenden Fahrzeugen in der Nacht. 20 Kilometer Fahrt, einen Schotterpiste den Berg hinauf, ein Tor öffnet sich. Wir sind da. Werden sehr freundlich empfangen, haben einen alleinstehenden Bungalow mit Strohdach, alles sehr schön eingerichtet.

Am nächsten Tag sehen wir das erste Mal eine namibische Savannenlandschaft. Ich breche nach dem Frühstück auf, um vom Flughafen unser Wohnmobil abzuholen und Telefonkarten zu besorgen. Velis begleitet mich. Wieder sind alle außerordentlich freundlich. Ich freue mich über das große Gefährt, halte noch am Flughafen um die Telefonkarten zu besorgen. 1,5 GB pro Woche für 5 Euro im Monat, ein Sonderangebot für Touristen. Jetzt, mittags ist der Flughafen auch richtig voll mit meist deutschen Namibia-Urlaubern.

Erst lasse ich den Wagen unten vor dem Tor stehen, ich glaube nicht dass er unter dem Strohdach hindurchpasst. Mit Hilfe des Lodge-Eigentümers geht es dann doch, etwas Stroh fällt dabei herunter. Den steilen Weg hinauf und auch den Weg zur Hütte herunter schafft der Iveco-Kleinlaster ohne Probleme.

Ich bin erschöpft, als ich endlich das neue Zuhause für die nächsten zwei Monate abgestellt habe. Kein Wunder, ich habe auch 38,5° und fühle mich entsprechend schlapp.

Aber es ist ja der Wohnwagen zu packen und vorzubereiten. Es passt unser ganzes Zeug hinein, selbst der Trolley findet Platz bei den sechs Campingstühlen. Es wird langsam dunkel. Irgendwie stimmt die Richtung der Sonne nicht, wo man Schatten erwartet hätte kommt er nicht.

Ich muss es selbst nachschauen: Sie geht auf der Südhalbkugel auch im Osten auf, wandert aber statt mit den Uhrzeigersinn andersherum über den Norden nach Westen. Ich lese auch: Die Südhalbkugel hat viel Ozeane und ist dünn besiedelt, nur 10% der Weltbevölkerung leben südlich des Äquators.

Ein wunderbarer Sonnenuntergang mit eine feuerroten Sonne am Horizont leitet die Nacht ein.

Es ist immer wieder laut im Zimmer, alle sind noch erschöpft, nicht ganz fit. Es ist laut und es gibt viel Streit unter den Jungs, Lysander ärgert sein Schnupfen, es ist heiß. Ich beschließen schon mal die erste Nacht das Wohnmobil zu testen. Dort ist es kühler. Lysander kommt mit.

Dort, oben unter dem Alkoven fühle ich mich sofort sehr wohl. Namibia ist schon viel vertrauter als Ägypten, ein Wohnmobil hier ist ein echter Genuss. Ich schlafe sehr gut.

Heute dann brechen wir auf. Schritt für Schritt gewöhne ich mich an das Gefährt, Linksverkehr, Bodenschwellen, Schlaglöcher. Aber unser erster Stop ist Windhoek, und ein Supermarkt. Wir laden den Kühlschrank und die Fächer voll und alle freuen sich über so viel vertraue Produkte. So wie auch so viele Namen vertraut klingen, von Flussläufen, Lodges, Produkten.

Eine nette ältere Dame mit blonden Haaren spricht mich an: Sprechen sie Deutsch? Do you speak Englisch? Wir seien ja offensichtlich nicht von hier, weil wir am heutigen Sonntag Bier und Wein in den Einkaufswagen packen. Sonntags ist der Verkauf von Alkohol in Namibia verboten.

Aber sonst ist man in vielem lockerer als in Ägypten. An der Rezeption will keiner einen Reisepass sehen. An den Polizeikontrollen werden wir freundlich durchgewunken.

WIndhoek schauen wir uns nur im Durchfahren an, es ist Mittags und 35 Grad, da macht es mit der Family keinen Sinn hier Sightseeing zu versuchen. Wir haben uns ein erstes, nahes Etappenziel ca. 80 km nördlich vorgenommen, Okahandja.

Die Straße dorthin ist die ersten 20 km sogar vierspurig und im Ausbau, dann geht es auf zwei Spuren zurück. Es fährt sich gut, unser Fahrzeug. Unsere erste Etappe läuft, mit den üblichen Chaos. Der eine schnallt sich nicht an und fällt vom Sitz, der nächste hat Hunger, der nächste Durchfall und muss dringend, dem anderen ist schlecht, einem ist immer langweilig.

Aber dann wieder spielt Velis den Animateur und alle machen mit, oder Lysi liest Kinderbücher vor, die Tara schon beim Bild auswendig aufsagen kann. Gegen die Hitze gibt es Eiswürfel aus dem Tiefkühlfach für die Kinder.

Unser Camp ist weitläufig (in Namibia ist alles weitläufig), umzäunt (in Namibia ist alles umzäunt) und wir sind die einzigen Camper. Es dauert einige Stunden und meinen Fußmarsch zurück zur Rezeption, bis der Strom angestellt wird. Es ist ein sehr schöner Platz in toller Natur wir kochen Spaghetti mit südafrikanischem Parmesankäse und die Kinder rennen barfuß um unser Lager. Es gibt kürbisartige Früchte, die hier herumliegen und halbmondartige Samen, als man als Rasseln verwenden kann.

Vieles Gebüsch hat Stacheln, aber die Kinder rennen trotzdem barfuß herum und freuen sich am Sand. Langsam kommen wir an, und werden auch etwas ruhiger. Ein einziger Pickup mit anderen Gästen erscheint, fährt aber weiter. Ich denke, wir waren schon immer laut und werden es wohl auch bleiben…

Wir bleiben hier noch eine Nacht unter dem so anderen Südsternhimmel mit lauter unbekannten Sternbildern.

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