Freitag, 8. September 2017, 13.37 Uhr

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Stolz und zufrieden sind wir, dass wir alle im Tal der Könige waren. Wir fanden es eindrucksvoll und sehr schön, vor allem das Grab von Ramses VI war super detailliert geschmückt. Unter diesem pyramidenförmigen Berg und in mitten dieser heißen Wüste, eine verborgene Welt voller prachtvoller Gänge und Grabkammern. Eine erstaunliche Welt, in der man Jahrtausende so viel Aufwand betrieben hat um für eine Leiche eine Ruhestätte zu erschaffen. Es muss eine hohe Bedeutung gehabt haben, und ein stabiles System über so lange Zeiträume gewesen sein. Toll die kleinen Figuren, Vögel, Schlangen und Krüge zu sehen, die Frauen an der Decke mit ganz langem Oberkörper. All diese Hyroglyphen, die man nur von Bildern kennt, in echt.

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Das tatsächlich die Mumie von Tutanchtamon dort ausgestellt war, ein kleiner Mann, war für alle faszinierend. 19 Jahre ist er nur alt geworden. „Aber er sah ein bißchen eklig aus, der Schwarze, der Goldene sah nicht eklig aus“, meint Morpheus.

Das wir es alle dorthin geschafft haben, freut mich riesig. Wir leben unseren Traum, das ist das Gefühl dass ich habe.

Samstag, 9. September 2017, 10.30 Uhr, Nile View Hotel, West Bank, Luxor, Egypt

Alles hat seinen Platz. Wir sind unterwegs in die Richtung, die wir uns vorgestellt haben. Ich sitze morgens mit Nadine auf dem Balkon, trinke den ersten Kaffee und wir reden wie wir gestartet sind. Ihr ging es vor allem um das Gemeinsam sein, mit den Kindern und der Familie sein, Space haben, gemeinsam wachsen. Es realisiert sich.  Es sind viele Bälle in der Luft, wenn sechs Menschen mit ihren eigenen Ideen, Wünschen und ihrem eigenen Willen jongliert werden wollen. Es ist ein Haushalt den man führt, den man mit sich trägt. Es gilt, sich um Essen, Trinken, Schule, Spielen, Sport, Kultur, Reisen, Schreiben, Geld, Dinge daheim zu kümmern. Und es funktioniert. Jeden Tag gibt es Herausforderungen, doch wir finden gemeinsam Lösungen. IMG_5273

Abends nach der herrlichen Flussfahrt auf dem Nil im Segelboot zur Banana Island saßen wir noch lange vorne im Garten mit Blick auf den Nil, die Kleinen schliefen ein. Redeten auch darüber, wie wunderbar kinderfreundlich, aber auch fremdartig Ägypten auch für uns ist.  Nadine meint:

Fünf mal am Tag rufen die hier zum Gebet!
Ich möchte nicht leben wo fünf mal am Tag gerufen wird wohin ich mich richten soll
Das ist so alt alles hier,  ich bin überrascht!
Wie in Indien, einzig die verschleierten Frauen erinnern daran das es ein arabisches Land ist.
Die Menschen ja sind durchweg freundlich. Jeder ist froh uns zu sehen. Ab und an wollen sie einen reinlegen, ok.
Ich spüre aber eine große Verunsicherung der Menschen der Männer, in welche Richtung soll es weiter gehen? Die Touristen bleiben weg,  mehr Polizei überall,  alles verfällt.
Der modernste Ort ist in der Grabkammer von Tutanchtamon.
Aber ein Café am heiligen Ort wo ich morgens mal kurz verschnaufen kann gibt es nicht, einzig die Alabaster-Verkäufer. 
So muss es auf dem Land auch in Syrien ausgesehen haben bevor die IS kam und alles eingenommen hat
Verunsicherung,  Stillstand,  keine Freiheit

Es gibt nicht mal einen Supermarkt.
Wir finden keine Haferflocken.
Alles ist klein klein über all Plastiktüten
Die Tomaten, die Gurken, alles wie vor 100 Jahren
Keine erneuerbaren Energien obwohl die Sonne scheint und scheint
Wie soll das hier weiter gehen?

Aber auch hier gibt es Menschen mit dem Herz am rechten Fleck,  aber wenn sie keine Chance haben dem zu folgen?
Gerade habe ich mich auf Facebook mit dem Manager des Hotels connected und gesagt das ich alles gute für sein Land wünsche und ich bete dafür, und da war es wieder, das Herz ❤

Ich meine: auf jeden Fall gibt es hier viele Herausforderungen, und bei Vielem ist aus meiner Sicht auch einfach noch die schwierige Historie zu spüren. Dass Ägypten nach der Kolonialzeit lange auf Seiten der Sowjetunion war spürt man noch in vielen Dingen, eben auch darin dass Staat, Bürokratie und ein gewisser „Schlendrian“ leider auch dort zu spüren ist, wo man eigentlich mehr erwarten würde. Jeder BWL-Student würde hier den Auftritt, den Luxor mit seinen Weltkulturerbe bietet spürbar verbessern können.

Aber ich glaube auch, dass eben die vergangenen Jahre für Ägypten schwierig waren und dies sowohl in der Wirtschaft als auch im Tourismus eben deutlich zu spüren ist. Ich denke, dass Reformen und Fortschritt Schritt für Schritt auch hier wieder kommen und die Touristen auch. Mohsen, unser Hotelmanager erzählt, wie er dieses Hotel durch den Webauftritt bei Booking.com seit zwei Jahren nach vorne gebracht hat. Auch wir kamen durch diese Seite und die guten Bewertungen hier her. Er ist freundlich und kümmert sich um alles wunderbar.

Gerade klopft es, es ist der Einkauf. Es kostet immer 500 Pfund, das sind 25 Euro, dafür haben wir dann aber Wasser, Bier, Milch, Saft, Eier, Kartoffeln, Brot, Fetakäse, Spaghetti, Tomaten, Kaffee, Kekse, die uns gebracht werden, denn zu Fuß kommen wir hier zu keinem Laden.  Damit kommen wir gut durch den Tag. Ein gutes Gefühl, den Kühlschrank zu füllen.

Morgens gab es schon Mango zum Frühstück und danach Spaghetti, auf der Isomatte. Ich habe jetzt beim Abspülen und Küche aufräumen weiter gemacht. Es freuen mich die Details, etwa dass wir die Lock-Lock-Dosen mitgenommen haben um die Oliven, den Käse und die Bratkartoffeln von gestern gut verschlossen im Kühlschrank aufbewahren zu können. Kleinigkeiten, die aber in einem Land voller Ameisen, Trockenheit und Hitze wichtig sein können.

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Dann überlegen wir weiter, wie wir Entspannung, Spiel und Lernen verbinden können. Es gibt immer neue Optionen: Nadine liest den Kindern ein Mittelalterbuch vor. Lysander danach Band 7 von Harry Potter auf dem Kindle. Velis läuft durch die Gegend und dreht mit Tara und Morpheus ein Zeitraffer-Video, wie sie auf dem Bett tanzen. Dann machen sie Kinderdisko an und üben die gleichen Songs und den Tanz dazu weiter, die sie im Resort gelernt haben. Auch Tara und Morpheus machen mit. Ich habe auch Spaß daran und mache mit. Ich denke an gestern Abend, wo Tara gestern auf dem Platz noch spontan zur arabischen Musikbeschallung getanzt hat, bis unser Taxi kam.

Lysi und Velis spielen gegen den Schachcomputer, nachher mit mir.  Dann übt Velis Michael Jackson, Thriller: „It’s close to midnight, something evil is lurking in the dark“. Dabei tanzt er und schaut so böse wie Michael Jackson in dem Video. Dazwischen Baden. Lysander und Velis schwimmen mit mir um die Wette, sie dürfen sich am Beckenrand abstoßen, ich nicht.  Ich stelle ihnen abwechselnd Matheaufgaben aus dem kleinen und großen Einmaleins zu. 16 mal 16 ist… Die Großen machen gerne mit, ich freue mich.

Gestern auch ein weiterer Test mit dem „Sofatutor“. Wir sind gleich begeistert, weil wir noch nie so eingängig etwa die Grundbegriffe der Geometrie gelernt haben. Schön verpackt in 10 Minuten Häppchen. Bei den Jungs schwankt es noch, mal haben sie Lust, mal nicht. Mal sind wir selbst auch flexibel, mal geben wir den Takt vor, auch gegen Widerstände. Dann finden sie plötzlich wieder alles spannend. Heute gab es gemeinsam Videos über die Pyramiden und Tutanchamon und Velis lernte Englisch: Pluralbildung, mit Online-Übungen. Und Lysander studierte berühmte Musikgruppen.

Morgen um 4 Uhr geht es los Richtung Kairo. Und in einer Woche schon sind wir in Namibia.  Die Grillen zirpen, und über dem Nil leuchten Grün die Minarette. (21.11 Uhr)

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One Reply to “Im Tal der Könige”

  1. Ihr Lieben!
    Eine ganz große Freude ist es mir, wenn zwischen all den zumeist unwichtigen Mails eine von Euch dabei ist! Post mit neuen, spannenden und vor allem sehr schön geschriebenen Abenteuern.
    Ihr seid meine Daily Soap ❤️

    Vielen Dank dafür und ich freu mich schon auf die nächste Folge

    Meine herzlichsten Grüße sendet Euch Katja

    Gefällt mir

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