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Dienstag, 29. August 2017, 22.46 Uhr, Hurghada, Ägypten

Es geht mit Lego los. Wir sitzen alle auf der Terrasse und bauen. Gut dass wir zwei Kisten mitgenommen haben. Velis baut einen Parcour, den nachher die Legomännchen in einem ausgiebigen Wettbewerb bezwingen müssen. Es gewinnt der Surfer ohne Kopf. Das ganze muss per Zeitraffer aufgezeichnet werden. Dann ziehen wir Osho-Tarotkarten. Braucht man einen neuen, nicht vorhersehbaren Input, ist das ein wunderbares Spiel. Mit der linken Hand, geschlossene Augen, gut gemischte Karten.

Alle machen mit. Ich beginne und mische die Karten, die erste die ich dabei sehe ist „letting go“. Dann zieht Velis zu erst. „ripeness“, Reife. Er meint: Ich bin reif für die Weltreise. Morpheus zieht den Narr, „the fool“. Die erste Karte, ganz am Anfang der Reise. Offen für alles. Lysander zieht „sharing“. Velis meint, Lysander teilt auch wirklich immer gerne und kümmert sich um seine Geschwister. Dann zieht Tara: „control“ Eine Pyramide. Sie ist die Dominanteste von uns allen. Wenn es nicht nach ihrem Willen geht, dann… Nadine zieht „mind“: noch viele Sorgen. Und was ziehe ich, geschlossene Augen, linke Hand: „letting go“. Aus der Familientherapie weiß ich noch: in einer Familie kann jeder für jeden der „Symptomträger“ sein, das System ist interaktiv. Alle Karten sprechen für uns alle. Und was sagt Osho jetzt zu letting go:

„In existence, there is nobody who is superior and who is inferior. The blade of grass and the great star are absolutely equal…“

Ok, ich verstehe. Ich beschließe: ich lasse mehr los und versuche heute nicht alles noch weiter zu perfektionieren. Es ist nicht meine Aufgabe, besser zu sein…

So dauert es alles ewig. Meine 7 GB Datenflat sind verbraucht. Nadines Karte ist viel zu langsam. Ich brauche ungefähr 3 Stunden, um festzustellen dass ich es nicht schaffe online eine ägyptische Vodafon-Karte mit einer deutschen Kreditkarte aufzuladen. Was ich aber dabei lerne: Das Internet hat eine globale normative Kraft. Jeder wird gezwungen, genau zu sein, sehr genau. Es gibt keinen Ausweg. Das ist ein hervorragendes Training und wird die Welt in hoher Geschwindigkeit weiter zusammenführen.

Denn es unterscheidet einfach nicht zwischen Deutschland oder Ägypten. Es ist die gleiche Detaillogik, ein extrem wirksames Training in Genauigkeit. Und die Größe und das Aussehen der Smartphones unterscheidet sich auch nicht, zwischen Tourist und Hotelpersonal, auch nicht der Blick darauf, beim Arbeiten, Essen, Ausruhen. Nichts hat je die Menschen in so hoher Geschwindigkeit ähnlich gemacht wie das mobile Internet.

Aber es ist ein Segen. Macht so vieles einfacher, ja erst möglich. Dass wir hier reisen können geht auch deswegen, weil ich die vorher digitalisierten Belege zur leider plötzlich anstehenden Steuerprüfung heute per Dropbox-Link an meinen Steuerberater freigeben kann. Ich unser Auto, dass nutzlos in der Garage steht heute per Sharing Economy an einen netten Nachbarn über Drivy, eine Verleih-App ausleihen kann. Und Nadine unsere Wohnung heute über eine Online-Plattform vermietet bekommt, an zwei junge Israelis die in der Fintech-Branche aktiv sind und frisch in Berlin sind. Ich schaue mir Ihr Profil über LinkedIn an und sage zu, klingt vertrauenserweckend.

Das Smartphone bekam ich dann doch über den Shop in der Passage aufgeladen, und seitdem strahlen die Kinder wieder. Sie können wieder ihre Lieblingssongs über Spotify hören. Zur Zeit steht Michael Jackson ganz hoch im Kurs, nachdem es lange die Beatles waren. Lysander lädt sich über Kindle Unlimited eine Michael-Jackson Biografie auf das Kindle und liest den halben Tag begeistert am Pool.

Heute ist letting go. Nadine hatte es ja schon gestern eingefordert, mal endlich etwas Urlaubsstimmung aufkommen zu lassen. Ich soll mal locker lassen. Sie hat recht. Jeder macht was er will. Velis will nicht frühstücken gehen, bleibt noch daheim. Morpheus und Tara haben von den großen Brüdern gelernt, dass man an der Bar die alkoholfreien Drinks bestellen kann und trinken einen „Virgin Mojito“, Blue Curacao und ähnliches buntes Zeug nach dem anderen, Tara steht auf Pink. Sie strahlen dabei und fühlen sich super cool. Auch ich liege einfach mal faul auf der Liege und kann es richtig genießen.

Abends gibt es leckeren Fisch, Morpheus und Tara schmeckt es. Tara schaut sich die gegrillten Fische neugierig an und meint: Das ist ein echter Fisch, der kann beißen. Und danach gleich abends zur Kinderdisko, wo alle vier Kinder begeistert sich von russischen Animateuren anfeuern lassen. Tara ist ganz vorne dabei. Und danach bei der Abba-Show im Amphitheater. Jetzt liest Lysander über Abba auf dem Iphone. Die Kleinen hat Nadine mit unserem praktischen Beach-Trolley schon aufs Zimmer gebracht. Sie schlafen sofort ein, so kann Nadine noch nachkommen.

Alle sind begeistert von all inclusive und letting go.

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2 Replies to “Lego and letting go”

  1. Ich bin fasziniert und manchmal begeistert von euren Berichten. Die Kinder kriegen es ja prima hin und eure Phantasie bezüglich der Tarirkarten ist beeindruckend. Ob ich deine Einschätzung, lieber Leander, der Wirkung des Smartphons ganz teile, bin ich mir nicht sicher. Ist Schnelligkeit so wichtig? Und das Verfügbarsein überall? Aber es erleichtert und ermöglicht ohne Zweifel vieles. Ich wünsch euch Spaß , Freude und die Bewältigung von Problemen zu gleichen Teilen.
    Lasst euch alle umarmen von Bille

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    1. Liebe Bille, es freut uns sehr zu hören wie Du an unsere Reise teilnimmst! Du hättest bei deinen so vielfältigen Aktivitäten und Reisen auch sicher einen Blog zu füllen, dem ich gerne folgen würde! Die Herausforderung mit den Smartphones ist ein Teil unseres Alltags, denn die Kinder wachsen eben schon in der neuen Welt des „alles, überall, jederzeit, sofort“ auf. Wir werden noch berichten, welcher Weg hier unterwegs funktioniert. Manchmal einfach alle Geräte wegschließen. Aber schon hier sitze ich neben Lysander, und bin kein Vorbild darin ohne Smartphone zu leben… Am Ende vertraue ich auf die Stärke des Einzelnen, die Werkzeuge die man zur Verfügung hat vernünftig einzusetzen. Meistens, finde ich bisher klappt das auch bei den Kindern. Aber sicher das aktuell spannendste Thema…
      Liebe Grüße Leander

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